Freitag, 26. Dezember 2014

(Barfuß)Freier Tag - oder auch nicht


26.12.2014
Der Tag fängt heute einfach super an. Trotz frühen Aufstehens bin ich hellwach und fit und freue mich tierisch auf die Ballonfahrt. Um 5.35 Uhr werden wir mit einem altertümlichen Bus abgeholt und nachdem wir an einem anderen Hotel noch einige Gäste eingesammelt haben, fahren wir zum Startplatz, irgendwohin. Als wir dort ankommen, ist es bereits 6.15 Uhr und ich bin ein wenig unentspannt, weil ich befürchte, dass das alles viel zu spät wird, um noch den Sonnenaufgang mitzubekommen. Wir bekommen erstmal einen Kaffee und Kekse, dann folgen die Einteilung und das Briefing durch unseren Piloten (Mike, ein sehr netter, witziger Engländer). Anschließend beginnt das Befüllen der Ballons (auf unserem Platz werden fünf Ballons gleichzeitig vorbereitet), was echt spannend ist, da die Dinger ja echt riesig sind. Irgendwann erfolgt dann das Signal, dass wir in den Ballon klettern können, was wir umgehend tun, und dann geht es auch schon los. Kurz danach schweben wir in die Luft, völlig unspektakulär, aber die Aussicht ist von Anfang an nur toll. Erst sehen wir eigentlich nur die anderen Ballons, die vor uns fliegen, dann, als wir etwas höher steigen, können wir den ersten Blick über das in Nebel gehüllte Tempelfeld erhaschen. Super schön! Und dann, keinen Moment zu früh oder zu spät, geht die Sonne am Horizont auf! Eine rote Kugel, die alles in ein wunderschönes Licht taucht, was die ganze Szenerie schon mystisch wirken lässt. Es ist herrlich! Und leider viel zu schnell vorbei. Nach etwa einer Dreiviertelstunde setzen wir schon wieder zur Landung an, die recht sanft verläuft. Nachdem wir aus dem Korb geklettert sind, gibt es Champagner; Croissants und unsere Urkunde. Und dann ist auch schon alles vorbei und wir werden zu unserem Hotel zurück gebracht. Um viertel nach acht sitzen wir bereits mit den anderen beim Frühstück (was heute noch erbärmlicher ist als gestern, da das wenige, was es gibt, auch grad nicht verfügbar ist).
Da wir heute unseren freien Tag haben, trennt sich die Gruppe auf, ein paar fahren zum Mount Popa, wir haben erstmal nur vage Pläne. Ich genieße allein die Tatsache und den Gedanken daran, heute mal einen Tag ohne Programm und ohne Gruppe zu verbringen, und Manuela geht es ähnlich. Nachdem wir etwas rumtrödeln, fahren wir mit den Rädern die wir heute noch gemietet haben, zuerst nach Neu-Bagan, dann wollen wir einfach mal kreuz und quer durch das Tempelfeld fahren, uns alte tote Steine ohne Touristenscharen ansehen. Und: wir wollen heute unsere Schuhe nicht ausziehen, was heißen soll, wir wollen uns keine Pagode und keinen Tempel von innen ansehen. Wir radeln also fröhlich querfeldein, überall gibt es kleine ausgelatschte Pfade, die zwar teilweise schwierig zu fahren sind, da sie sehr sandig sind, aber egal. Wir haben ja Zeit! Auf dem Weg finde ich ein Hufeisen von einem der vielen Kutschpferde und stecke es ein. Als wir unsere Räder über einen Acker schieben, da hier nun gar kein Weg mehr vorhanden ist, treffen wir auf eine alte und eine jüngere Frau und ein kleines Kind, die im Schatten gerade ein Päuschen machen (vorher sah man sie am Feldrand mit irgendwas auf dem Kopf entlang laufen). Als wir an ihnen vorbei kommen, grüßen sie ganz herzlich und die jüngere Frau bietet uns gekochte Erdnüssen an. Da können wir gar nicht ablehnen. Als wir dann weiterfahren, müssen wir erstmal die ganzen Kletten aus unseren Schuhen entfernen und sind uns einig, dass es jetzt ganz schlecht wäre, einen Platten zu haben. Kaum ausgesprochen, ist Manuelas Vorderrad komplett platt. Schöne Scheiße! Also schieben wir unsere Räder über das Tempelfeld irgendwie in die Richtung, in die Neu-Bagan oder unser Hotel liegen könnte. Tatsächlich haben wir Glück, dass unser großartiger Orientierungssinn uns noch nicht allzu weit, bzw. sogar wieder näher an unser Hotel herangebracht hat. Dort wird das Fahrrad ganz unproblematisch gegen ein anderes ausgetauscht und es kann wieder los gehen. Wir beschließen nicht mehr die ganz kleinen Wege zu nehmen, sonder nur die breiteren Feldwege, auf denen auch die Kutschen fahren. Gesagt, getan, und es macht echt Spaß, so abseits irgendwelcher Touristenscharen, ganz allein durch die Tempelpampa! Und das bei herrlichstem Sonnenschein! Ein wunderbarer freier Tag! Und dann fühlt sich mein Fahrrad plötzlich etwas merkwürdig an beim Fahren! Ein kurzer Blick auf den hinteren Reifen bestätigt das: ein Platter! Oh Nein! Und diesmal waren wir definitiv schon weiter weg vom Hotel, hatten keine Lust, schon wieder zu schieben, und außerdem wollten wir ja am Ananda-Tempel bei dem Lackwarenverkäufer von gestern einkaufen gehen. Da wir laut Plan nicht mehr allzu weit davon weg sind, beschließen wir, dorthin zu fahren und die Räder dort stehen zu lassen und uns ein Taxi zu nehmen. Sollen die vom Hotel doch zusehen, was sie mit ihren Drahteseln machen! Über die Feldwege fahre ich auch mit dem Platten weiter, an der Straße schiebe ich besser. Am Tempel angekommen, gehen wir direkt zu unserem Händler (hierzu müssen wir doch die Schuhe ausziehen, da sein Stand auf heiligem Tempelboden ist), der mich auch sofort erkennt und sich freut, dass wir tatsächlich wiedergekommen sind (gestern hatten wir nicht so viel Zeit, in Ruhe zu schauen, er hat uns aber so nett zugelabert und angeboten, dass wir auch Klamotten gegen seine Sachen tauschen können. Das lasse ich mir ja nicht zweimal sagen und habe  heute zwei T-Shirts und eine Hose, die mir alle zu groß sind, im Rucksack). Wir schildern ihm zuerst unser Problem und er ruft auch direkt bei dem Fahrradverleiher an, der zusagt, innerhalb der nächsten halben Stunde zu kommen. Prima! Problem gelöst – denken wir… Ich suche mir eine Schale und 3 Dosen aus und verhandele mit dem Typen so lange, bis wir am Ende wohl beide zufrieden sind, Manuela kauft an einem anderen Stand etwas, dann gehen wir zu unseren Rädern (barfuß, das wir durch quer durch den Tempel latschen). Und warten auf den Fahrradmenschen. Und warten und warten. Irgendwann haben wir keinen Nerv mehr, außerdem Hunger und beschließen, nun doch auf die Taxi- bzw. Kutschenvariante umzusatteln. Also gehen wir los, fragen den ersten Kutscher, den wir sehen, der wartet aber bereits auf einen Kunden. Nachdem wir um den halben Tempel marschiert sind und dort an einem Sammelplatz nach dem Preis nach Neu-Bagan fragen, ist uns das zu teuer und wir beschließen, doch ein herkömmliches Taxi zu nehmen. Das Problem ist nur: es gibt keines. Alle, die hier unterwegs sind, haben bereits Kunden an Bord. Also, wir sind ja nicht dumm, gehen wir zu dem Restaurant von gestern und fragen dort, ob die uns ein Taxi rufen können. Und dort haben wir Glück, denn einer vom Restaurant meinte, er hätte ein Taxi und könnte uns fahren, der Preis war auch in Ordnung. Wir sollten nur einen Moment warten, er müsse nur kurz seinen Bruder anrufen, der nämlich würde das Taxi fahren. Ich sah ihn dann hin und her laufen, mit zwei Handys telefonieren, bis er wieder zu uns kam und meinte, sein Bruder wäre leider busy. Er versuchte dann noch erfolglos (warum auch immer),  bei unserem Hotel anzurufen, damit die uns ein Taxi schicken, aber als das auch nicht klappt, dackeln wir wieder weiter, inzwischen schon einigermaßen frustriert. Auf dem Weg zu unseren Rädern (da wir wieder die Abkürzung durch den Tempel nehmen, müssen wir erneut die Schuhe ausziehen) kommen wir wieder an dem Lackwarentypen vorbei, der ganz erstaunt ist, dass wir noch da sind. Als wir ihm erklären, dass niemand gekommen ist, ruft er nochmal dort an und meint, wir sollen bei unseren Rädern warten, es wäre jemand unterwegs. Also laufen wir nochmal um den halben Tempel und hocken uns zu unseren Rädern und warten. Und warten… Manuela radelt dann nochmal zu dem anderen Eingang, als ein Typ auf einem Mofa ankommt. Der ist von dem Fahrradverleiher. Ich falle fast vom Stuhl, da wir beide davon ausgegangen sind, dass wir inklusive der Räder abgeholt werden. Nichts da! Aber der Hammer ist, dass der noch nicht einmal irgendetwas dabei hat um einen Fahrradreifen zu reparieren! Er fragt erst die Frau am Getränkestand, dann einen Mann gegenüber, und als ihm scheinbar niemand aushelfen kann, nimmt er das Rad, schwingt sich auf sein Moped, meint, „Wait a Moment“ und fährt davon. In dem Moment kommt Manuela wieder, ebenso ungläubig wie ich, aber es hilft nichts, wir müssen wieder warten. Und warten und warten… Es ist wirklich unglaublich! Insgesamt sind wir nun schon seit mindesten zwei Stunden hier und warten! Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Typ um die Ecke, sichtlich stolz, denn er hat das Fahrrad repariert. Super! Auch wenn ich dem ganzen nicht ganz traue, sind wir dennoch froh, dass es weitergehen kann. Und notfalls fahre ich mit einem Platten zurück! Aber der Reifen hält! Und so kommen wir irgendwann endlich völlig fertig und ausgehungert an dem Restaurant (im Reiseführer empfohlen) an, das wir uns für diesen Tag ausgeguckt hatten. Ein Blick in die Karte zeigt direkt, dass dieses (für hiesige Verhältnisse) recht teuer ist. Und die Kellner sind auch nicht sonderlich motiviert, so dass wir schon Befürchtungen wegen des Essens an sich haben. Da fällt uns ein, dass uns heute, seitdem ich das Hufeisen gefunden habe, das Pech irgendwie verfolgt hat. Und so hole ich es aus dem Rucksack und hänge es an einen Blumenkübel. Soll es anderen Leuten Unglück bringen! Das Essen ist hervorragend, das Bier schmeckt nach diesem Tag köstlich und gemütlich radeln wir anschließend zurück zum Hotel, wo wir den Rest des Tages auf unserer Terrasse verbringen.