Sonntag, 21. Dezember 2014

Road to Mandalay

21.12.2014
Die Nacht war angenehm, außer als ich auf die Toilette muss und aus meinem warmen Bettchen in die Eiseskälte muss (Renate erzählt später, sie hatten auf dem Thermometer in ihrem Zimmer 6,8 °C !!). Ich kann dann auch erst wieder schlafen, nachdem ich die Heizdecke nochmal hochgestellt habe. Nach dem (spärlichen) Frühstück fahren wir um 8.00 Uhr ab. Heute haben wir einen langen Fahrtag vor uns. Bis nach Mandalay sind es ca. 300 km, aber da es über Land geht, sind ca. 7 Stunden Fahrzeit angesetzt. Die Landschaft ist herrlich, erinnert mich teilweise an die Toskana und aber auch an die Gegend am Colca-Canyon in Peru. Ungläubig sehen wir, wie bereits einige Frauen bis zum Knöchel in einem Tümpel stehen und ihre Wäsche waschen und ein kleines Kind splitternackt darin badet. Bei den Temperaturen! Ich habe im Bus immer noch die Daunenjacke an (kurz danach wird diese jedoch als Kissen umfunktioniert und auch die Sweatjacke kann ich ausziehen, es ist schon um 9.00 Uhr wieder angenehm warm. Die Straße wird an einigen Stellen erneuert, und auch hier fällt wieder auf, dass sehr viele Frauen dabei mitarbeiten. So erklärt dazu, dass Frauen zum einen sehr billige Arbeitskräfte seien, sie aber vor allem durch ihre Fähigkeit, viel Gewicht auf dem Kopf zu balancieren (bis zu 50 Kilo), z. B. zum Steine transportieren geeignet sind. In einem Buch („Gebrauchsanweisung für Burma“ lese ich, dass ganz viele Künstler (u.a. Robbie Williams, Frank Sinatra, Elton John) Mandalay, den Ort, wo wir die nächsten drei Tage übernachten, besungen haben, aber noch keiner davon dort war, allein wegen dem wohlklingenden Namen der Stadt. Mandalay ist mit ca. 1 Mio Einwohnern die zweitgrößte Stadt Myanmars und lt. Beschreibung laut, heiß und verbaut. Heiß klingt super für mich!!! Für morgen steht dort eine Radtour auf dem Programm. Vorgestern hatte So gemeint, er würde davon abraten, da das aufgrund des extremen Verkehrs (Autos, Laster, vor allem ohne Ende Mopeds), wo alle irgendwie durcheinander fahren, zu gefährlich wäre. Da wir ja einen Aktivurlaub gebucht haben und letztens die Wanderung zum goldenen Felsen schon ausfiel und wir uns bisher nicht wirklich viel bewegt haben, sind wir natürlich nicht begeistert gewesen. Aber sein Leben will natürlich auch keiner aufs Spiel setzen. Heute meinte So dann aber, wenn wir alle vorsichtig sind, dann wäre die Radtour kein Problem. Wir sind gespannt.  Irgendwann machen wir einen Fotostopp um die wunderschöne, bergige Landschaft zu knipsen, und So beschließt spontan, dass wir hier eine halbe Stunde „wandern“ gehen können. Wir bummeln den Weg runter, bis zu einer Ebene kommen, wo Mandarinen, Chili und Kaffee angebaut werden. Uns kommen auf dem Weg ein paar Einheimische mit einer Tüte Mandarinen entgegen und der eine schenkt uns allen eine. Total nett, total lecker! Die Bewegung tut gut, vor allem weil wir ja noch einige Stunden vor uns haben. Die Fahrt geht weiter, eine Serpentinenstraße entlang, die Landschaft erinnert mich ganz stark an Costa Rica. Mittags essen wir in einem ganz einfachen Restaurant, eher eine Einheimischenküche, aber das Essen ist lecker, sehr günstig, und die Bedienung super aufmerksam. Ich finde es klasse, dass So uns nicht in die Touri-Restaurants schleppt, sondern dass wir „vor Ort“ essen und so viel besser mit den Menschen hier in Kontakt kommen können. Danach geht es weiter, vorbei an einer Geisterstätte, an der der Busfahrer dreimal hupt, um dem Nat Respekt zu zeigen. Ich döse zwischendurch etwas weg, aber richtig schlafen kann ich nicht. Die andschaft wird irgendwann flacher und etwas öder, dann fahren wir an Bananen- und Mangoplantagen vorbei, bis wir schließlich nach Mandalay kommen. Die Stadt ist tatsächlich laut und wirkt erstmal recht schäbig, hunderte Mofas sind neben den anderen Verkehrsmitteln auf der Straße unterwegs, auf vielen sitzen drei Leute oder Mädels hintendrauf im „Damensitz“. Allerdings ist heute Sonntag und wahrscheinlich wird der Verkehr morgen noch mehr werden. Überall wird gehupt. Unser Hotel („Ayarwaddy River View Hotel“) liegt am Fluss Ayerwaddy und ist echt schick, das Zimmer geräumig. Nachdem wir geduscht haben, machen wir erstmal Wäsche, da wir ja hier drei Nächte bleiben und alles gut trocknen kann. Um 18.45 Uhr treffen wir uns mit einem Teil der Gruppe und laufen zu einem Restaurant am Fluss. Es ist faszinierend und schockierend zugleich, als wir feststellen, dass die einfachen Leute hier am Fluss leben, quasi an der Straße ihr Essen zubereiten und gemeinsam essen, deren ganzes Leben sich hier abspielt. Aber die kleinen Kinder kommen auf uns zu, begrüßen uns, lachen, sind fröhlich und freuen sich wahnsinnig, als ich ein paar Fotos von ihnen machen und anschließend zeige. Wie gerne würde ich ihnen ein Foto dalassen! Auch die Erwachsenen grüßen, sind sehr freundlich und ich habe trotz der Dunkelheit und all der fremden Menschen überhaupt kein ungutes Gefühl, eher im Gegenteil. Ein komisches Gefühl haben wir degegen, als wir dann auf dem Rückweg, als wir einfach über die Stra0e gehen müssen und in unser Superluxushotel verschwinden, währen die Leute dort in einfachsten Verhältnissen auf der Straße leben. Und doch irgendwie zufrieden wirken. Manuela und ich trinken auf der Dachterrasse noch ein Bierchen, dann geht’s aufs Zimmer. Morgen wird ein aufregender Tag!







10000 Buddhas


20.12.2014
Die Nacht war dank einer zusätzlichen Wolldecke und meines Inlays erträglich. Auch heute starten wir erst um 9.00 Uhr. Das Boot, auf dem heute Wolldecken bereit liegen (hat es sich bereits rumgesprochen, dass wir so Frostbeulen sind?) bringt uns wieder zu dem Anleger von vorgestern. Hier steigen wir in den Bus und machen uns auf den Weg nach Pindaya. Kurz halten wir noch an einem hölzernen Kloster, wo einige junge Mönche leben, dann führt uns der Weg durch eine wunderschöne lebendige Landschaft und einige Ortschaften, die bei weitem nicht alles aus Bambushütten bestehen, sondern man sieht einige gemauerte Häuser. So erklärt, dass hier alles mögliche angebaut wird, Getreide, Kartoffeln, Mais, verschiedene Kohlsorten, Ingwer, Raps, etc. Auch hier sieht man überall Menschen, beim Straßenbau, der Feldarbeit oder beim Waschen. An einem Tümpel sitzen zig Frauen, die heute scheinbar Waschtag haben. Hier wird ein Fotostopp eingelegt und wie eine Horde Voyeure halten wir die Kameras auf diese Menschen. Die meisten von uns aus der Ferne, und als ich sehe, dass nicht nur die Wäsche gewaschen wird, sondern komplette Körperpflege betrieben wird, lasse ich das fotografieren ganz sein. Es gibt aber tatsächlich Leute, die das offensichtlich kein bisschen stört, und so steht ein Mann aus unserer Gruppe inmitten sich waschender Frauen und hält die Kamera aus einem halben Meter Entfernung drauf! Das ist ein Moment des extremen Fremdschämens. Ich finde schon, dass man diesen Menschen, auch wenn auf uns alles sehr fremdartig wirkt, ein bisschen Würde und Privatsphäre zugestehen sollte. Gegen 12.30 Uhr erreichen wir das Städtchen Pindaya, unser heutiges Ziel. Zuerst decken wir uns in einem Laden mit grünem Tee ein, dann gehen wir in einem sehr schönen Restaurant (Green Tea Restaurant – wie passend) Mittagessen. Zur Pindayya-Höhle, die anschließend auf dem Programm steht, gehen wir auf Wunsch zu Fuß. Diese Höhle ist inzwischen mit mehr als 10.000 großen und kleinen Buddha-Figuren bestückt, die meisten golden, es gibt aber auch welche aus Marmor. Die Höhle ist ein wichtiger Wallfahrtsort für Buddhisten, und tatsächlich sehen wir auch einige Mönche, die dort durch die Gänge schreiten. Ein Buddha reiht sich an den anderen und in den Höhlen und Gängen wirkt was ganze schon sehr beeindruckend.
Nach der Höhle schauen wir uns noch an, wie die Shan-Schirme (Schirme aus selbst hergestelltem Papier) gefertigt werden. Dann geht es ins Hotel („Conqueror“). Das Zimmer ist riesig und nicht so kalt wie befürchtet (So hatte gemeint, dass es hier noch kälter würde, da Pindaya auf 1200 m liegt. Ich gehe direkt unter die Dusche, überlege noch, ob ich die Haare mit oder ohne Spülung wasche, als ich plötzlich kein Wasser mehr habe. Da es im Badezimmer eiskalt ist, muss ich das Shampoo mit den beiden bereitstehenden Wasserflaschen ausspülen. Nun ja, das passiert hier nun mal. Zum Abendessen laufen wir gemeinsam zu dem Restaurant, wo wir mittags schon waren. Die Bedienung ist eingepackt in Schal und Mütze, inzwischen ist es schon wieder recht kalt  Als wir gegen 21.00 Uhr  wieder am Hotel ankommen, bin ich komplett durchgefroren. Aber die anderen hatten uns bereits erzählt, dass deren Betten ausgestattet sind mit Heizdecken. Und tatsächlich, auch in unseren Betten befinden sich welche!!! Ein herrlicher Luxus. Ich glaube, ich hätte nicht schlafen können, aber nachdem ich das Bett auf Stufe 2 vorgeheizt hatte, schlafe ich in einem angenehm temperierten Bett ein ohne zu frieren.