18.12.2014
Heute morgen ist es echt heftig! Um 04.20 Uhr
schellt der Wekcer, und rumtrödeln ist nicht, schließlich müssen wir ja den
Flieger kriegen. Um 5.00 Uhr bekommen wir sogar eine kleine Frühstücksauswahl,
und um 5.30 Uhr sitzen wir im Bus Richtung Flughafen, wo wir um kurz nach 6.00
Uhr ankommen. So kümmert sich um alles, wir müssen ihm eigentlich nur
hinterherlaufen. Was mich ein wenig nervös macht, dass unser Gepäck
zwischenzeitlich völlig alleine in der Check-in-Halle rumsteht. Aber irgendwer
kümmert sich angeblich um alles und so trotte ich hinterher. Es gibt hier
anscheinend nur eine Abflughalle, und so werden wir alle mit verschiedenen
Aufklebern versehen, je nach Flugziel. Auf dem Monitor ist der einzige Flieger,
der nach Heho geht, um 11.00 Uhr angezeigt, und inzwischen ist es nach halb
sieben. So hält ein kleines Nickerchen. Irgendwann kommt eine Durchsage und ein
Mann gestikuliert irgendwas. Unser Zeichen, dass unser Flieger geht. Die
Maschine von Bagan Airline ist klein, und als wir einsteigen, bekomme ich einen
kleinen Schock: An beiden Fensterseiten hängen in regelmäßigen Abständen
Weihnachtskugeln!!! Nächstes Jahr feiere ich Weihnachten definitiv zu Hause!.
Wir sitzen alle in zwei Sitzreihen zusammen und der Flug ist recht angenehm und
kurzweilig, es gibt sogar Getränke und ein kleines Frühstück. Dann kommt
irgendwann eine Durchsage, der wir mehrmals „Mandalay“ entnehmen, und als wir
(ganz sanft) gelandet sind, sehen wir „Mandalay Airport“. Tatsächlich wollten
wir aber doch nach Heho, was mindestens 300
km von Mandalay entfernt liegt. Die meisten von uns sind schon im
Begriff auszusteigen als So meint, wir sollten sitzen bleiben, da der Flug
weiter geht! Also wieder rauf! Da kaum Leute dazugestiegen sind, breiten wir
uns etwas aus, der Flug ist angenehm, bis wir in Turbulenzen geraten, die zwar
kurz aber doch recht heftig sind und ich doch kurz an die nicht ganz so
verkehrstauglichen Maschinen denken muss, über die ich hin und wieder gelesen
habe… Wir kommen dann aber doch heil runter und um 10.00 Uhr sitzen wir in dem
Bus, der uns zum Inle-See bringt. Hier ist es recht frisch und es scheint kurz
vorher geregnet zu haben, am Himmel hängen dunkle Wolken. Die Fahrt durch die
Hochebene des Shan-States dauert etwa eine Stunde zu der Stelle, an der wir alle samt Gepäck in zwei Langboote umsteigen. Nach
ein paar hundert Metern wird die Fahrt allerdings erstmal unterbrochen, da eins
der Boote einen Motorschaden hat. Nachdem die vier in ein anderes Boot
umgestiegen sind, geht es zügig weiter. Da der Fahrtwind ziemlich kalt ist, bin
ich happy, dass ich meine dünne Daunenjacke griffbereit habe. Zunächst fahren
wir einen Kanal entlang, dann erreichen wir eine größere Wasserfläche. Hier
sehen wir das erste Mal die berühmten Einbeinruderer, die es nur hier am Inle-See
gibt und die uns auch gleich ihre besondere Kunst demonstrieren. Diese stehen am spitzen Ende ihres Langbootes,
ein Bein um ein großes Ruder geschlungen, mit welchem sie das Boot vorwärts
bewegen, aber gleichzeitig haben sie dadurch beide Hände frei zum Fischen. Beeindruckend! Ich könnte vermutlich
nicht mal stehen ohne runter zu fallen. Unser Hotel liegt ziemlich weit unten
im See, so dass wir erst das Tagesprogramm erledigen. Wir besichtigen zuerst
das „Kloster der springenden Katzen“. Das heißt so, weil hier früher die Mönche
Katzen so dressiert haben, dass diese durch Reifen und so springen. Da dies nun
unter Tierquälerei läuft, gibt es nur noch eine Handvoll Katzen, aber keine
Kunststücke mehr. Das Kloster ist aus Teakholz erbaut und es gibt hier 66
Buddha-Figuren. Als wir dort sind, ist es gerade sehr leer, aber im hinteren
Bereich reiht sich ein Souvenirstand an den nächsten, und alle Frauen begrüßen
einen mit „Hello“ und ob man dies oder jenes kaufen will. Ich habe schon keine
Lust mehr, freundlich „No, thank You“ zu sagen. Das nervt. Genau wie die
Mädchen, die uns aus einem anderen Boot Wasserlilien reichen und gleichzeitig
„Money“ sagen. Sie bekommen ihre Blumen wieder. Inzwischen haben die
Temperaturen wieder annähernd mein Wohlfühllevel erreicht und ich kann
zumindest die Daunenjacke weglassen. Wir schippern durch die „schwimmenden
Gärten“, wo alles mögliche Gemüse (Tomaten, Kürbis, Gurken, etc.) angebaut
werden. Inzwischen haben wir alle einen Bärenhunger. Wir essen in einem
wunderschönen Restaurant auf dem See und sind dann gestärkt für die
Nachmittags-Besichtigungstour. Zuerst besichtigen wir eine Seidenweberei, die
Seide aus Lotusfaden verarbeiten. Sehr interessant, aber irgendwie kann man
sich kaum vorstellen, wie einfach diese Leute leben. Für einen Longhi brauchen
die ungefähr eine Woche zum Weben! Danach fahren wir zur Phaungdaw-Pagode. Wir
hatten schon leichte Pagoden-Entzugserscheinungen. Diese hier ist wieder mal
eine der besonders kitschigen Art. In der Mitte sind fünf Buddha-Figuren zu
sehen, die zumindest mal welche waren, aber durch das ganze Blattgold, was
diverse Gläubiger im Laufe der Jahre daraufgeklebt haben, nur noch Klumpen
darstellen. Frauen dürfen diesen Bereich sowieso nicht betreten! Dann fahren
wir noch ein Weilchen durch die Kanäle, die durch das künstlich angelegte
„Festland“ hier entstanden sind. Die
Landschaft auf dem See ist herrlich, und die kleinen Dörfer mit einfachsten
Häusern auf Stelzen irgendwie nett anzusehen. Obwohl sich keiner von uns
vorstellen kann, so zu leben. Als letztes sehen wir noch bei einer Cheroot-Zigaretten-Manufaktur
vorbei, wo einige Frauen in Sekundenschnelle die hier üblichen Cheroot-Zigaretten
drehen. Diese bestehen neben (wenig) Tabak aus Zutaten wie getrockneten
Holzstücken, Bananen, Nüssen, Tamarindensaft und Palmzucker, der Filter besteht
aus getrockneten Maisblättern. Man bekommt die Zigaretten in verschiedenen
Geschmacksrichtungen (Honey, Banana, Anis). Wir kaufen ein paar Zigaretten als
Souveniers und dann fahren wir endlich zum Hotel („Golden Island Cottage“). Ein
wunderschönes, auf Stelzen errichtetes Hotel, unser Bungalow liegt mit Blick
zum See und wir können dort noch den Sonnenuntergang genießen. Herrlich! Allerdings
stört der Lärm der Langboote, da diese alle mit lautstarken Motoren betrieben
werden. Der eigentliche Luxus ist, dass wir zwei Stunden Zeit haben bis wir uns
wieder im Hotelrestaurant zum Abendessen treffen. Das ist sehr gut, aber natürlich
wesentlich teurer als die letzten Tage – aber immer noch günstiger als bei uns.
Gegen 21.00 Uhr verschwinden dann alle auf ihre Zimmer. Manuela und ich trinken
auf unserer Veranda noch ein Bierchen, genießen die Stille des Sees und rauchen
eine Cheroot-Zigarette, einfach weil wir sie mal probieren wollen. Nun ja, die
sind nicht so stark wie eine normale Zigarette, muss man aber auch nicht
unbedingt regelmäßg rauchen. Unser Zimmer sieht aus wie aus Tausendundeiner
Nacht, da irgendwer, während wir Abendessen waren, die Moskitonetze über unsere
Betten ausgebreitet hat. Allerdings komme ich mir, als ich im Bett liege, ganz
schnell vor, wie die Prinzessin auf der Erbse. Das Bett ist furchtbar hart und
die Federn bohren sich in meine Rippen. Da es inzwischen schon recht kalt ist,
liege ich unter zwei Wolldecken und habe meine Socken anbehalten. Trotzdem
werde ich mitten in der Nacht halberfroren wach und ziehe noch meine Daunenjacke
über.
- Inle-See: (22 km lang, 10 km breit; max. 3 m tief) Der ganze See ist bewohnt und die Leute leben auf dem See in Häusern, die auf Pfählen stehen. Die Bewohner des Sees selbst nennen sich "Intha". Übersetzt bedeutet der Name "Kinder des Sees".
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