25.12.2014
Heute können wir ein bisschen länger schlafen,
da wir erst um halb neun starten. Das Frühstück findet im Freien statt, was
echt schön ist, vor allem, wenn man einen kurzen Gedanken nach Hause
verschwendet. Die überaufmerksamen Kellner sind allerdings so nervig, dass ich
schon befürchte, dass ich gleich von ihnen gefüttert werde. Aber vermutlich
wollen sie dadurch nur von dem Witz eines Frühstücksbuffets ablenken. Das ist
echt mit Abstand das schlechteste bisher, wobei die Zimmer für mich die
schönsten (wenn auch nicht die größten) sind. Irgendwann hören wir ein
Geräusch, was wir zunächst nicht zuordnen können, bis wir einen Heißluftballon
quasi direkt neben uns, etwa 20 Meter über dem Boden entlang
fahren sehen. Und noch einen, und noch einen. Hammer! Und morgen sind wir dran J. Dann satteln wir unsere klapprigen Räder und
machen uns auf, Bagan zu erkunden. Zuerst fahren wir eine staubige
„Hauptstraße“ entlang, bis zu dem örtlichen Markt, wo wir die erste Pause einlegen.
Auch hier winken uns die Menschen von den meist extrem überfüllten Bussen zu
und lachen. Hier aber bin ich mir fast sicher, dass sie uns auslachen. Der
Markt ist eigentlich auch klasse und lädt zum Bummeln ein, wenn da nicht an
jeder Ecke irgendwelche Frauen wären, die einem ziemlich penetrant irgendetwas
aufschwatzen wollen. Man darf eigentlich den Blick nicht länger als eine
Sekunde auf etwas richten, sonst kommt sofort jemand an, „Souvenir“, halten
einem das Objekt der Begierde vor die Nase und lassen sich auch von einem
mehrfachen, freundlichen “No, thank you.“ in keinster Weise abbringen. Ich
würde mir so gerne in Ruhe die hübschen Schalen, Dosen, etc. ansehen, die hier
für die Gegend offenbar typisch sind (hübsch lackiertes Bambusholz), aber schon
nach kurzer Zeit gebe ich es auf und hetze durch die engen Gänge, bis ich
wieder auf die Gruppe treffe. Dann radeln wir weiter, bis zur
Shwe-Zigon-Pagode, die wir uns anschauen. Manuela und ich sind etwas irritiert,
weil hier ebenso ein Trubel herrscht wie an allen anderen Pagoden, die wir
bisher gesehen haben, und das so gar nichts mit den Tempelruinen zu tun hat,
die wir uns so vorgestellt haben. Wahrscheinlich sind wir aber einfach nur
totale Kultur- bzw. Pagodenbanausen, denn bei den anderen hatte ich nicht
unbedingt den Eindruck, dass sie genauso empfinden. Nun gut, da muss man dann
bei einer durchorganisierten Gruppenreise halt durch, und so trotte ich irgendwie
nur hinterher und höre teilweise gar nicht mehr zu. Dabei ist die Geschichte
Bagans durchaus interessant*. Aber für mich sehen diese goldenen Stätten alle
gleich aus, und auch wenn die eine ein Haar, die andere ein Knöchelchen Buddhas
beherbergt, ändert das für mich nichts. Dann geht es zum Ananda-Tempel und
Ananda-Kloster (sehr schöne Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert). Das
Mittagessen nehmen wir in einem rein vegetarischen Restaurant ein, allerdings
ohne jegliche Vorwarnung unseres Reiseleiters. Und so esse ich mangels einer
besseren Idee einen griechischen Salat, der nicht nur verhältnismäßig teuer,
sondern auch richtig schlecht ist. Die anderen sind zwar zufriedener mit ihrem
Essen, aber wirklich satt wird keiner. Weiter geht es anschließend zum Shwegugyi-Tempel,
wo wir einen Fotostopp einlegen, um – wie hunderte andere Touristen auch – den
Tempel hinaufsteigen um oben festzustellen, dass der Blick nichts wirklich
besonderes zu bieten hat. Und die eine Richtung, die ein schönes Motiv hätte hergeben
können, ist verbaut mit Masten und Kabeln. Tja, der Fortschritt ist da.
Überhaupt hat die Route heute für mich nichts mit dem zu tun, was ich mir laut
Reiseführer vorgestellt hatte, denn dies scheint die Touristenroute zu sein.
Ich wäre lieber ins Ruinenfeld rein gefahren und hätte mir die Tempelanlagen
von außen ohne andere Menschen angesehen. Dann fahren wir noch zum
Gubyaukgyi-Tempel (tolle Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert), zum
Manuha-Tempel und zum Nampaya-Tempel (einziger hinduistischer Tempel hier). Danach
verabschieden Manuela und ich uns von der Gruppe, da wir beschlossen haben,
dass wir den Sonnenuntergang, der noch von einem anderen Tempel geplant ist, ausfallen
zu lassen. Immerhin werden wir morgen früh den Sonnenaufgang vom Ballon aus
sehen (da freue ich mich riesig drauf!)!. Wir radeln gemütlich zum Hotel zurück,
genehmigen uns ein kühles Bierchen auf unserer Terrasse und spülen uns dann
erstmal den Staub vom Körper. Unglaublich, was da für ein Dreck runter kommt!
Essen gehen wir später dann wieder alle gemeinsam in einem kleinen Restaurant
in der Nähe unseres Hotels. Ist kein Highlight, aber trotzdem ganz lecker.
Interessant ist der Weg zum Klo. Links neben dem Eingang wird auf dem Boden das
dreckige Geschirr gesammelt, was damit danach passiert, ist nicht erkennbar. Eine
Spüle ist auch in der geradeaus liegenden, einsehbaren „Küche“ nicht
auszumachen. Die Küche ist etwa 12 qm groß und da kocht „Mutti“ auf zwei
Flammen, irgendein Zeug steht drumherum, alles wirkt schmuddelig, aber nicht
wirklich dreckig oder gar eklig. Bevor man zum Kloraum abbiegt, durchquert man
einen Raum, in dem auch noch einiges Zeug herumsteht, u.a. sogar eine
Mikrowelle, in der offenbar der Reis aufgewärmt wird. Auch hier könnte grundsätzlich
mal wieder durchgewischt werden. Aber ich denke, das ist hier nicht so schlimm
wie z.B. in dem Lokal gestern, in dessen Küche wir (glücklicherweise?) keinen
Blick haben werfen können. Und: Keiner von uns hat bisher irgendwelche Magen-
oder sonstige Probleme gehabt. Alles ist gut. Um halb zehn liegen wir dann schon
wieder im Bett, texten noch ein bisschen und freuen uns auf morgen. Da heißt es
wieder mal, früh aufstehen, aber dieses Mal für eine schöne Sache: meine erste
Ballonfahrt! Ich freu mich!
* Bagan: Bekannt als die Stadt der vier
Millionen Pagoden ist sie eine der reichsten archäologischen Stätten Asiens und
das Hauptziel der Touristen in Myanmar. Sie war auch die Hauptstadt des ersten
burmesischen Reichs. Diese bezaubernde Stadt liegt am Ostufer des Ayeyarwaddy
Flusses, ungefähr 193 km südlich
von Mandalay. Die Ruinen der Stadt Bagan erstrecken sich mit über 2000
Bauwerken über eine Fläche von 42 km². Die meisten dieser noch gut erhaltenen
Tempel und Pagoden bieten ein reiches archäologisches Erbe aus dem Zeitalter
des 11. bis 13 Jahrhunderts. Auf dem Areal von Bagan stehen tausende historischer
Tempel, trotzdem ist es nicht als Weltkulturerbe ausgewiesen. Das liegt daran,
dass zum einen die touristische Infrastruktur rücksichtslos ausgebaut wird
(z.B. ein 60 m hoher
Aussichtsturm, der alles überragt), zum anderen daran, dass reiche Burmesen
neue Tempel finanzieren, die teilweise auf historischen Fundamenten gebaut
werden. Diese verfälschen das Bild des alten Bagan.
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