19.12.2014
Gegen 5.30 Uhr höre
ich trotz Ohrenstöpsel draußen irgendeinen Gebetssingsang, der dann bis 7.00
Uhr geht. Und das, wo wir heute mal ein bisschen ausschlafen können! Trotz Daunenjacke
ist mir kalt und Manuela meint, ich sähe mit meiner Schlafanzughose, den Badeschlappen
und der Daunenjacke schon aus wie eine Einheimische. Tatsächlich fühle ich mich
den einfachen Leuten hier gerade sehr nahe!
Das Frühstücksbuffet
ist okay, und um 9.00 Uhr sitzen wir schon wieder im Boot (ich mit Daunenjacke!),
das uns irgendwo hin bringt, wo wir dann auf Fahrräder umsteigen. Das sind
alles ein wenig in die Jahre gekommene Damenräder ohne großen Schnickschnack,
aber mit einem breiten gepolsterten Sattel, welcher angesichts der holprigen
Straßen und Wege wohl das wichtigste ist. Der erste Halt ist nach ein paar
Hundert Metern bei dem örtlichen Markt. Dieser ist recht klein, aber es gibt
trotzdem so ziemlich alles, Fleisch, Obst, Gewürze, Getreide und Souveniers.
Leider sind die Verkäufer hier sehr penetrant. Nachdem wir uns eine hübsch
angemalte Dose angesehen haben, und blöderweise nach dem Preis gefragt haben,
rennt der Verkäufer uns über den halben Markt hinterher, obwohl wir ihm
hundertmal sagen, dass wir sie nicht haben wollen. Am Ende ist sie halb so
teuer, aber wir wollen sie trotzdem immer noch nicht. Andere sind genauso
hartnäckig, was nur nervig ist und uns davon abhält, überhaupt noch groß zu
schauen. Ich kaufe aber ein schönes Salatbesteck aus Büffelhorn, was ich um die
Hälfte runtergehandelt habe. Dann geht
es weiter bis zu einem Waisenhaus, was wir besichtigen. Anschließend radeln wir
auf unseren klapprigen Damenrädern durch schöne Landschaft mit üppig grüner Vegetation.
Unterwegs sehen wir live, wie hier noch Straßenbau betrieben wird, nämlich
komplett per Hand. In Fässern wird von Frauen (!) Bitum erhitzt und dann von
einem Jungen (max. 16 Jahren) per Hand (!!!) mit einem Behälter in Bahnen auf
die durch eine andere Gruppe dort verteilten kleinen Steine verteilt.
Unfassbar! Weiter geht es bis zu einem der beiden Weingüter hier in Myanmar.
Dieses wird von einem Franzosen betrieben und man kann dort diverse Weine probieren.
Was wir natürlich auch tun. Außerdem sitzen wir mit einem wunderschönen Blick
über das Tal und den Inle-See in der Sonne. Die brennt inzwischen schon wieder
ziemlich heftig, allerdings geht zwischendurch ein Wind, der einen dann wieder
frösteln lässt. Nach der Weinverköstigung (kein Highlight) und dem Mittagessen
fahren wir noch in den Ort Nyang Shwe, weil noch ein paar von uns Geld wechseln
müssen. Hier herrscht reger Betrieb, auch auf dem Weg dahin und zurück treffen
wir ganz viel auf Einheimische, die ihrem Alltag und ihrer Arbeit nachgehen. Das
ist super interessant und macht Riesenspaß. Vor allem, weil die Menschen hier
so unglaublich freundlich sind! Meist reicht ein freundlicher Augenkontakt oder
ein kleines Lächeln unsererseits, aber spätestens wenn wir sie mit „Mingelaba“
(heißt so viel wie „Segen komme über dich“ – also Guten Tag) grüßen, lächeln
sie ganz nett und bei einem „Dschaesuba“ (Danke) strahlen die meisten einen an.
Das ist einfach schön, weil man sich hier so wohl und willkommen fühlt! Ein
Problem bei dieser extremen Freundlichkeit ist die Angst der Menschen vor
„Gesichtsverlust“. Deshalb sagen sie meistens und zu allem „ja“, auch, oder
besonders wenn sie es gar nicht wissen. Denn
zuzugeben, etwas nicht zu wissen, bedeutet Gesichtsverlust. Hinund wieder habe
ich leider auch bei unserem Reiseleiter das Gefühl, dass er nach diesem Prinzip
agiert. Für den Rückweg zum Boot
brauchen wir doppelt so lange, weil sich ständig neue Fotomotive
ergeben, seien es altertümliche Ochsenkarren, mit denen die Leute hier noch die
Felder bestellen und die Ernte einholen oder kleine süße Kinder, die gerade
schulfrei haben. Am Bootssteg trennt sich die Gruppe in zwei Teile, die einen
(ich auch) fahren zum Hotel, die anderen schauen sich noch die „Langhalsfrauen“
an. Wir genießen den „freien Nachmittag“ (wir sind auch erst um 16.00 Uhr am
Hotel) und vor allem die Dusche, die all den Staub des Tages wegspült. Dann
sitzen wir noch mit einem Bierchen auf der Veranda und um 19.00 Uhr gibt es
wieder Abendessen. Anschließend werden einige traditionelle Tänze aufgeführt,
was eigentlich ganz furchtbar ist (für mich), aber doch ganz unterhaltsam. Um
21.00 Uhr sind wir schon wieder im Zimmer und packen uns ein für die Nacht. Wir
haben uns noch jeweils eine Wolldecke besorgt, und die Daunenjacke habe ich
direkt an…
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