Samstag, 20. Dezember 2014

Radeln in die Vergangenheit


19.12.2014
Gegen 5.30 Uhr höre ich trotz Ohrenstöpsel draußen irgendeinen Gebetssingsang, der dann bis 7.00 Uhr geht. Und das, wo wir heute mal ein bisschen ausschlafen können! Trotz Daunenjacke ist mir kalt und Manuela meint, ich sähe mit meiner Schlafanzughose, den Badeschlappen und der Daunenjacke schon aus wie eine Einheimische. Tatsächlich fühle ich mich den einfachen Leuten hier gerade sehr nahe!
Das Frühstücksbuffet ist okay, und um 9.00 Uhr sitzen wir schon wieder im Boot (ich mit Daunenjacke!), das uns irgendwo hin bringt, wo wir dann auf Fahrräder umsteigen. Das sind alles ein wenig in die Jahre gekommene Damenräder ohne großen Schnickschnack, aber mit einem breiten gepolsterten Sattel, welcher angesichts der holprigen Straßen und Wege wohl das wichtigste ist. Der erste Halt ist nach ein paar Hundert Metern bei dem örtlichen Markt. Dieser ist recht klein, aber es gibt trotzdem so ziemlich alles, Fleisch, Obst, Gewürze, Getreide und Souveniers. Leider sind die Verkäufer hier sehr penetrant. Nachdem wir uns eine hübsch angemalte Dose angesehen haben, und blöderweise nach dem Preis gefragt haben, rennt der Verkäufer uns über den halben Markt hinterher, obwohl wir ihm hundertmal sagen, dass wir sie nicht haben wollen. Am Ende ist sie halb so teuer, aber wir wollen sie trotzdem immer noch nicht. Andere sind genauso hartnäckig, was nur nervig ist und uns davon abhält, überhaupt noch groß zu schauen. Ich kaufe aber ein schönes Salatbesteck aus Büffelhorn, was ich um die Hälfte runtergehandelt habe.  Dann geht es weiter bis zu einem Waisenhaus, was wir besichtigen. Anschließend radeln wir auf unseren klapprigen Damenrädern durch schöne Landschaft mit üppig grüner Vegetation. Unterwegs sehen wir live, wie hier noch Straßenbau betrieben wird, nämlich komplett per Hand. In Fässern wird von Frauen (!) Bitum erhitzt und dann von einem Jungen (max. 16 Jahren) per Hand (!!!) mit einem Behälter in Bahnen auf die durch eine andere Gruppe dort verteilten kleinen Steine verteilt. Unfassbar! Weiter geht es bis zu einem der beiden Weingüter hier in Myanmar. Dieses wird von einem Franzosen betrieben und man kann dort diverse Weine probieren. Was wir natürlich auch tun. Außerdem sitzen wir mit einem wunderschönen Blick über das Tal und den Inle-See in der Sonne. Die brennt inzwischen schon wieder ziemlich heftig, allerdings geht zwischendurch ein Wind, der einen dann wieder frösteln lässt. Nach der Weinverköstigung (kein Highlight) und dem Mittagessen fahren wir noch in den Ort Nyang Shwe, weil noch ein paar von uns Geld wechseln müssen. Hier herrscht reger Betrieb, auch auf dem Weg dahin und zurück treffen wir ganz viel auf Einheimische, die ihrem Alltag und ihrer Arbeit nachgehen. Das ist super interessant und macht Riesenspaß. Vor allem, weil die Menschen hier so unglaublich freundlich sind! Meist reicht ein freundlicher Augenkontakt oder ein kleines Lächeln unsererseits, aber spätestens wenn wir sie mit „Mingelaba“ (heißt so viel wie „Segen komme über dich“ – also Guten Tag) grüßen, lächeln sie ganz nett und bei einem „Dschaesuba“ (Danke) strahlen die meisten einen an. Das ist einfach schön, weil man sich hier so wohl und willkommen fühlt! Ein Problem bei dieser extremen Freundlichkeit ist die Angst der Menschen vor „Gesichtsverlust“. Deshalb sagen sie meistens und zu allem „ja“, auch, oder besonders wenn sie es gar nicht wissen.  Denn zuzugeben, etwas nicht zu wissen, bedeutet Gesichtsverlust. Hinund wieder habe ich leider auch bei unserem Reiseleiter das Gefühl, dass er nach diesem Prinzip agiert. Für den Rückweg zum Boot  brauchen wir doppelt so lange, weil sich ständig neue Fotomotive ergeben, seien es altertümliche Ochsenkarren, mit denen die Leute hier noch die Felder bestellen und die Ernte einholen oder kleine süße Kinder, die gerade schulfrei haben. Am Bootssteg trennt sich die Gruppe in zwei Teile, die einen (ich auch) fahren zum Hotel, die anderen schauen sich noch die „Langhalsfrauen“ an. Wir genießen den „freien Nachmittag“ (wir sind auch erst um 16.00 Uhr am Hotel) und vor allem die Dusche, die all den Staub des Tages wegspült. Dann sitzen wir noch mit einem Bierchen auf der Veranda und um 19.00 Uhr gibt es wieder Abendessen. Anschließend werden einige traditionelle Tänze aufgeführt, was eigentlich ganz furchtbar ist (für mich), aber doch ganz unterhaltsam. Um 21.00 Uhr sind wir schon wieder im Zimmer und packen uns ein für die Nacht. Wir haben uns noch jeweils eine Wolldecke besorgt, und die Daunenjacke habe ich direkt an…

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