15.12.2014
Der Tag startet um kurz nach sieben, als der Wecker geht.
Ich habe super geschlafen und fühle mich fit und ausgeruht. Das Frühstück
bietet zwar viel Auswahl, aber nicht allzu viele Alternativen für uns, da wir
morgens weder Nudelsuppe noch gebratenen Reis, gebackenen Fisch oder englisches
Breakfast mögen. Aber es ist ok, es gibt frisches Obst und frisch gepressten
Melonensaft. Und guten Kaffee! Um 9:00 Uhr geht es los mit dem Bus zu unserer
Sightseeing-Tour durch Yangon. Diese beginnt an der Botataung-Pagode, für
die zwei Kaufleute erbaut wurde, die der Legende nach 8 Haupthaare des Buddhas
nach Yangon gebracht haben. Es ist die erste Pagode, die ich sehe, es ist
wirklich interessant, vieles ist gold oder vergoldet, alles glitzert irgendwie.
Es sind zwar einige Touristen dort, aber die Mehrheit sind doch Gläubige, die
hier beten. Trotzdem das alles für mich neu ist, bin ich nicht sonderlich
beeindruckt, weil ich irgendwie so null Bezug zu all dem aufbauen kann. Noch
schlimmer wird es später in der Sule-Pagode, die wir nach einem Stadtrundgang
besichtigen. Der Rundgang führt uns zunächst zum Postamt, einem Kolonialbau von
1908, wo wir uns mit Postkarten und Briefmarken eindecken. Danach geht es
weiter zum berühmten Hotel „Strand“, einem teuren 5*-Hotel, wo wir aber die
Lobby und die Toiletten besichtigen können. Von dort geht es weiter zum Hafen,
was nicht wirklich interessant war. Abenteuerlich dagegen ist hier die
Straßenüberquerung. Eine sechsspurige Straße mit dichtem Verkehr wird einfach
überquert in der Hoffnung, die Autos halten an bzw. fahren langsamer. Das
klappt auch meistens J.
Wir gehen weiter durch Straßen mit tollen kolonialen Gebäuden, die leider
ziemlich heruntergekommen sind. Das erinnert mich auch wieder sehr an Kuba,
dieser Charme alter Häuser, die allein deshalb belebt aussehen, weil die Wäsche
auf den Balkonen trocknet.. In einem Reiseführer habe ich gelesen, dass Yangon
das Potential zur schönsten Stadt Asiens hätte (wie vor 100 Jahren bereits).
Gestern habe ich mir das nicht vorstellen können, aber wenn all diese
wunderschönen Gebäude erhalten und hergerichtet würden, kann man sich das
durchaus vorstellen. Es gibt dahingehend wohl auch inzwischen Bestrebungen,
aber wie soll das finanziert werden? Überall auf den Straßen bieten Straßenhändler
alles mögliche an und trotz der vollen Straßen und des permanenten Hupkonzertes
wirkt alles sehr entspannt auf mich. Die einzigen wirklich aufdringlichen Leute
sind die Postkartenverkäuferinnen im Maha Mandoola-Park (benannt nach einem
berühmten Feldherrn Myanmars). Die eine „verfolgt“ uns durch den ganzen Park,
obwohl sie bereits 1000 mal Nein von uns gehört hat und wir ihr sogar unsere
bereits erworbenen Postkarten zeigen. Der Park ist klein aber fein, sehr
gepflegt mit kunstvoll beschnittenen Bäumchen. In der Mitte steht ein Obelisk,
welcher die Unabhängigkeit Myanmars symbolisiert. Vom Park aus geht es dann zur
Sule-Pagode. Diese Pagode befindet sich mitten in einem großen Kreisverkehr,
außen herum sind Souvenier- und andere Läden gebaut. Auch hier müssen wir
zuerst unsere Schuhe ausziehen, bevor wir die Stufen zum Pagodengelände
hochgehen. Dort bin ich das erste Mal fast erschlagen von all dem Kitsch.
Hinter einigen Buddhafiguren hängen bunte elektrische Blinklichter, alles ist
golden oder kitschig bunt, alles wirkt für mich wild durcheinander gewürfelt.
Das gilt auch für die verschiedenen Gebäude auf dem Gelände (das widerum wird
später bei der Swedagon-Pagode noch getoppt). Eine Frau redet permanent durch
ein Mikrofon irgendwas, was sich für mich anhört wie bei einer Kirmes an einer
Losbude. Tatsächlich erklärt So uns, dass die Frau die Leute zu Spenden
aufruft! Überhaupt ist alles ziemlich laut und schrill, mit Meditation; bzw.
Spiritualität, wie ich es erwartet hatte, hat das für mich nichts zu tun. Ich
bin echt etwas schockiert. Ich habe mit ruihiger Besinnlichkeit, flüsternden und Menschen gerechnet. Wahrscheinlich macht
wahre Meditation aus, das alles ausblenden zu können. Nun ja. So erzählt
einiges über die Pagode und den buddhistischen Glauben. Dabei lerne ich, dass
ich, da ich an einem Freitag geboren wurde, ich im burmesischen Zeichen des
Maulwurfs (oder Meerschweinchen) lebe. Ich huldige dem dann auch an der Planetenandachtsstelle
für Freitagsgeborene, indem ich dem Buddha dort etwas Wasser über den Kopf
schütte. Nach dem Pagodenbesuch bringt uns der Bus zum Mittagessen in den
Kandawagyi-Park. Hier sitzen wir sehr idyllisch am See, werden dann aber einer
harten Geduldsprobe unterstellt. Der (sehr junge) Kellner, der sich permanent
sein Gemächt festhält als hätte er Angst, es würde aus seinem Longhi fallen,
versteht offensichtlich kein Wort. Kein einziges. Und dieser Eindruck bleibt,
als So die Bestellungen für uns weitergibt. So verwundert es auch nicht, dass
ein Teil der Gruppe falsche Getränke oder Speisen bekommen, andere (ich auch)
erstmal gar nichts. Zum Glück ist So in der Nähe, der mehrfach versucht, den
ratlosen Kellnern die offenen Bestellungen weiterzugeben. Am Ende werden wir
dann alle doch satt und das Essen ist auch super lecker (ich habe mit 6 Shrimps
gefüllte Frühlingsrollen) und super günstig (inkl. Cola zahle ich rd. 4 Euro).
Nach dem Essen machen wir einen kleinen Verdauungsspazierganz durch den Park,
danach fahren wir mit dem Bus zum fünftgrößten liegenden Buddha Myanmars. Auf
das, was mich dort erwartet, bin ich nicht im geringsten vorbereitet! Wir
betreten (barfuß natürlich) eine riesige Halle mit Stahlträgern in der Mitte
und schauen direkt auf eine Wand aus Blinklichtern und einem riesigen Tisch mit
Opfergaben aller Art (von Gefäßen mit Obst bis zu Coladosen). Die Säulen sind
alle bestückt mit Spiegelmosaik. Ich bin so geblendet, dass ich den riesigen
Buddha, der dahinter rumliegt, zuerst gar nicht wahrnehme. Das geht allerdings
den meisten der Gruppe so. Der Buddha ist 70 m
lang und 15 m
hoch, gebaut aus Ziegeln, die verputzt und angemalt wurden. Der goldene Teil
ist hier nur Farbe, kein Blattgold. Ich mache ein paar Fotos, schaue mir seine
Füße an, auf dessen Sohlen sich 108 Symbole befinden und ergreife dann die
Flucht nach draußen. Aber auch hier geht das nervenzehrende Gedudel weiter, da
es sowohl drin als auch draußen über Lautsprecher verteilt wird. All das wird
nicht für die Touristen veranstaltet, sondern ist tatsächlich für die
Gläubigen, de vor dem Opfergabentisch sitzen und den Buddha anbeten, gedacht.
Ich muss an dieser Stelle schon für mich feststellen, dass ich mir lieber tote
alte Steine einer untergegangenen Kultur anschaue. Das Highlight des Tages ist
dann die Shwedagon-Pagode***. Diese Anlage ist riesig, voll und für mich wirkt
auch hier wieder alles bunt durcheinandergewürfelt. Das schlimmste sind auch
hier wieder die überall grell blinkenden Lichter. Wir schlendern im
Uhrzeigersinn um die Stupa und warten auf den Sonnenuntergang, in dessen Licht
alles natürlich noch „schöner“ aussehen soll. Dämmerungslicht ist immer schön,
aber vor allem kommen die Blinklichter dann noch besser zur Geltung. Die Stupa
selber wirkt heute grundsätzlich nicht so schön, da sie komplett eingehüllt ist
in Bambusmatten und ein Gerüst aus Bambus. Alle fünf Jahre wird die Stupa
renoviert, das heißt, mit neuen Goldplättchen versehen. Und jetzt ist gerade
wieder Zeit. Das hatte uns der Reiseveranstalter aber bereits vorher
mitgeteilt, so dass sich die Enttäuschung in Grenzen hielt. Das ganze Gold soll
insgesamt ca. 100 Tonnen wiegen! Ich bin jetzt schon absolut „overpagodaed“,
wie es in dem „Handbuch für Myanmar“ so schön bezeichnet wird. Ist einfach
nicht meins!
Gegen 18:30 Uhr ist dann der offizielle Teil des Tages
beendet. Der Bus lässt uns dann auf unsere Bitte wieder an dem Restaurant vom
Vortag raus. Heute entscheide ich mich für Butterfisch mit Pepperoni und Reis,
was wieder sehr lecker und super günstig (etwa 4 Euro) ist. Da wir morgen recht früh starten
werden, hatte ich eigentlich vor, früh ins Bett zu gehen, aber bis wir den
ganzen Krempel sortiert haben (wir lassen das Hauptgepäck im Hotel und nehmen
nur einen Tagesrucksack mit) und ich noch das Wlan nutze um mit zu Hause zu
texten, ist es dann doch wieder recht spät.
*Yangon; oder Rangun ist mit rd. 5,5 Mio Einwohnern die größte Stadt Myanmars,
bis 2005 auch Hauptstadt (danach wurde der Regierungssitz nach Napyidaw
verlegt. Yangon bedeutet „Stadt des Friedens“, die Engländer gaben der Stadt
den Namen Rangun (Rangoon)
**Sule-Pagode Die Sule Pagode wurde im Jahr 235 v. Chr.
errichtet, während des Krieges zerstört und in alter achteckiger Form wieder
errichtet. Die 46 Meter hohe Pagode erhielt
ihren Namen von dem Beschützergeist der Singuttara Hügel "Sule-Nat".
Angeblich beherbergt die zentrale Stupa ein Haar des Buddha.
***Shwedagon-Pagode Die
Shwedagon-Pagode ist der wichtigste Sakralbau und das religiöse Zentrum
Myanmars in Yangon und ist der Legende nach vor über 2500 Jahren erbaut worden.
Sie gilt als Wahrzeichen des ganzen Landes und ist eine der berühmtesten
Pagoden der Welt. Im Laufe der Jahrhunderte wurde sie mit Gold und Edelsteinen
reich verziert, die 60.000
Quadratmeter große Plattform besteht aus
Marmorplatten. Ihr mit Glocken behängter Schirm ist mit tausenden Diamanten,
Rubinen und Saphiren verziert, an der Spitze befindet sich ein 76-karätiger
Diamant. Die achteckige Pagode mit einem Umfang von 413 m
ist 116 m
hoch. In den geheimen
Kammern des Stupas sollen Reliquien der vier Buddhas aufbewahrt sein, die nach
einer der zahlreichen Deutungslehren bislang auf Erden wandelten, darunter acht
Haare des vierten Buddhas Siddhartha Gautama, der als Begründer der Lehre
verehrt wird.
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