Dienstag, 30. Dezember 2014

Drei Tage abseits der Zivilisation


27.12.2014
Um 8.00 Uhr geht es heute morgen los, so dass wir einigermaßen ausschlafen können. Wir werden mit zwei Kleinbussen abgeholt, wofür wir schon nach kurzen sehr dankbar, da wir laut Reisebeschreibung mit Jeeps in die Berge fahren sollten, das aber wegen dem extremen Staub überall ganz furchtbar geworden wäre. Den ersten Stopp machen wir auf dem Markt in Chauk, über den wir gemeinsam gehen. Das Örtchen finde ich ganz furchtbar, dreckig, staubig, die Menschen wirken schmuddeliger als woanders und es laufen einige bettelnde Kinder herum. Der Mrkt ist aber ganz nett, weil es ein reiner Einheimischenmarkt ist und niemand uns was aufschwatzen will. Der Hammer ist an einer kleinen Kreuzung, wo ein riesiges Schwein auf einem Haufen Müll liegt und genüsslich irgendein Zeug frisst. Ein weiteres kleineres Schwein steht auch noch dahinter. Danach ist die Fahrt ziemlich mühselig, da wir stundenlang über eine ganz schlimme staubige Serpentinenstraße fahren, voller Schlaglöcher und Schottersteine. An manchen Teilen sehen wir wieder jede Menge Straßenbauarbeiter (wieder sehr viele Frauen), die in absoluter Handarbeit (sie legen die groben Steine per Hand wie bei einem Puzzle) die Straße asphaltieren. Allerdings werden wohl noch die Enkel und Urenkel daran arbeiten, wenn man den Fortschritt im Vergleich zur Länge der Straße. Naja, so eiern wir da Kurve um Kurve weiter, und ich hoffe die ganze Zeit, uns möge kein größeres Gefährt entgegen kommen, denn es geht ziemlich steil ab. Die Landschaft wird allerdings immer schöner, um so bergiger es wird, grün bewaldete Bergrücken in alle Richtungen, super schön! Irgendwann kommen wir in eine Talsenke, wo alles mögliche angebaut wird, und dieses Bild der kleinen bunten Felder vor den grünen Bergen ist einfach herrlich! Am späten Mittag fahren wir durch ein Dorf, laut So gar nicht mehr so weit weg von unserer Unterkunft. Wir fahren an einem Restaurant vorbei, wo draußen am staubigen Straßenrand einer in etwa fünf Spülbecken Geschirr spült. Renate meint gerade, dass sie hier nichts essen wollen würde, da das Spülwasser eine ziemliche Brühe ist, da fahren unsere Autos an den Straßenrand und parken. Hier wird unser heutiges Mittagessen eingenommen. Zugegebenermaßen bin ich anfangs echt schockiert, dass wir hier essen sollen, wegen dem Spüler, wegen der Küche und dem Gedanken an die nicht vorhandenen hygienischen Verhältnisse. Innen ist es spartanisch-einfach, es gibt nur eine kalte Cola, der Rest kommt aus dem Schrank. Das Essen ist wieder burmesisch, mit vielen Kleinigkeiten, die auf den Tisch gestellt werden, Hähnchen, Hirsch und Rind, Gemüse, Linsen, scharfe Soße und wirklich schmackhaft und lecker! Dann sind es angeblich „nur noch“ 20 Kilometer bis zu unserem Ziel. Dafür brauchen wir aber noch weiter 1,5 Stunden, die wir uns mehr und mehr den Berg hochschrauben. Wir kommen durch winzige Dörfer, und es ist teilweise so dermaßen staubig, dass die Leute nur mit der Hand vor dem Gesicht rumlaufen. Und dann sind wir angekommen, auf unserer Ecco-Lodge (Mountain Oasis Resort I) auf 1800 m. Drei Tage ohne Komfort, das war uns klar (trotzdem hatte ich die klitzekleine Hoffnung, dass auch hier bereits das Internet Einzug gehalten hat), schließlich haben wir das so gebucht. Die Realität sieht dann aber gar nicht mehr so toll aus. Die äußerst spartanisch eingerichteten Hütten bestehen aus einem kleinen Raum mit zwei Betten, die bretthart sind. Das Bad ist irgendwie halboffen, kalt, und oll. Grundsätzlich gibt es nur abends von 18.00 Uhr bis 22.00 Uhr Strom, und von 17.30 Uhr an eine Stunde lang heißes Wasser zum Duschen. Back to the Roots. Wir beziehen unsere Hütte, richten uns notdürftig ein, bis wir feststellen müssen, dass unsere Klospülung nicht funktioniert. Wir melden das, und zwei Leute kommen zur Reparatur, allerdings ohne erkennbaren Erfolg, so dass wir nach einem anderen Zimmer fragen. Das bekommen wir auch, die Klospülung funktioniert auch. Allerdings müssen wir dann feststellen, dass das Licht im Bad und unsere Taschenlampe im Zimmer (hier ja dringend erforderlich) nicht funktionieren. Beides wird ausgetauscht. Andere in der Gruppe haben ähnliche Probleme, und so ist der Start in dieser Unterkunft nicht sonderlich erquickend Inzwischen ist es auch schon ziemlich kalt. Nach und nach finden wir uns im Gemeinschaftsraum ein, der durch einen Holzfeuerofen gewärmt wird und das Essen, das auch wieder aus verschiedenen kleinen Gerichten besteht ist sehr lecker. Aber auch hier, wo eigentlich nur der Aufenthaltsraum gewärmt ist, bleibt die Gruppe nicht ewig zusammen sitzen, gegen 21.00 Uhr sind wieder alle in ihren Hütten verschwunden. Dort ist es eisig kalt und wir bereiten uns auf eine sehr kalte Nacht vor. Unser Schlafgewand hatten wir vorher schon angezogen, damit wir uns nicht mehr ganz ausziehen müssen. Insgesamt liege ich dann auf einer Wolldecke, die ich unter mir ausgebreitet habe, in meinem Inlay und zwei Steppdecken obenauf, ich habe außer einem Langarmshirt auch noch meine dünne Daunenjacke an. Um 22.00 Uhr wird der Strom abgestellt, aber da sind wir eh schon bereit zu schlafen….

 


28.12.2014
Die Nacht ist nicht so schlimm wie befürchtet. Irgendwann ist mir sogar so warm, dass ich meine Daunenjacke ausziehen kann. Gegen 6.00 Uhr sind wir beide wach und da wir keine Lust mehr haben rumzuliegen, stehen wir schon auf. Ich wasche mir das Gesicht mit eisigem Wasser  - heute muss Katzenwäsche genügen! Es ist noch dunkel, Strom gibt es ja keinen. Um halb sieben sind wir draußen auf der Aussichtsplattform und bestaunen den Sonnenaufgang. Sehr schön! Und heute morgen wirkt das ganze hier auch irgendwie total idyllisch. Trotzdem bin ich froh, eine Nacht bereits hinter mir zu haben, jetzt müssen wir nur noch zwei hinter uns bringen! Ich muss doch zugeben, dass ich in dieser Hinsicht ein kleines Luxusweibchen bin und so etwas nicht unbedingt nochmal buchen würde. Ich brauche Strom und warmes Wasser, wann ich es haben möchte! Das Frühstück besteht aus süßem Toast, noch süßerer Marmelade und einem Spiegelei. Nun ja, man ist halt gesättigt. Dann, um 8.00 Uhr geht es heute los, mit den Bussen fahren wir die Serpentinenstraße, weiter hoch; Staub ohne Ende! Und wieder treffen wir auf Bauarbeiter, die jetzt teilweise schon wieder fleißig sind, manche sitzen aber auch beim Frühstück an einem kleinen Feuer vor ihren armseligen Behausungen, die aus Zelten aus LKW-Plane bestehen, schlafen tun die offenbar auf dem Boden, alles sind barfuß in FlipFlops oder Sandalen (wir haben im Auto mit Socken und Schuhe kalte Füße!). Und diese Leute leben tagein tagaus in diesem Staub, wochen- oder vielleicht sogar monatelang!! Entsprechend traurig oder besser resigniert schauen diese Menschen auch drein. Es ist unfassbar, sich solch ein Leben vorzustellen ist uns nicht möglich! In diesem Moment kommt uns unsere einfache Behausung wie eine Luxusherberge vor und wir nehmen uns vor, über nichts mehr zu meckern. Wir fahren immer weiter hoch, bis wir irgendwann bereits oberhalb der Wolken sind und noch höher. Die Aussicht ist gigantisch, wunderschön! Und das beste: es ist weit und breit keine Pagode und kein Kloster zu sehen. Wir sind hier im Natma-Gebrige (übersetzt: Göttinnen-Gebirge) und bei der Vegetation handelt es sich um tropischen Monsunwald. Alles grün, zig verschiedene Baumarten, die teilweise von Flechten bewachsen sind. Der Startpunkt für unsere Wanderung liegt bei 2100 Metern und das heutige Ziel ist der Mount Viktoria mit etwa 3050 Metern. Die Wanderung ist sehr schön, immer wieder mit super schönen Ausblicken. Aber es ist megastaubig! Insgesamt sind wir etwa 4 Stunden unterwegs, hin und zurück. Am Parkplatz bekommen wir lauwarme gebratene Nudeln (zumindest die die welche bestellt hatten – ich zum Glück!) und dann geht es die gleiche Stecke mit den Autos zurück, dann aber am Resort vorbei, weil wir noch ein Chin-Dorf besuchen. Als wir dort aussteigen, stehen wir erstmal dumm rum, fotografieren die zig Kinder, die dort rumsitzen oder auf dem Platz so was wie Volleyball spielen. Dann gehen wir zu einem Haus, wo eine alte Frau (85 Jahre), die noch die alte Gesichts-Tättovierung der Chin-Frauen trägt, sich für uns draußen zum Fotografieren in Pose setzt. Danach erzählt So ein paar Dinge über den Chin-Staat und deren Bewohner und Bräuche, was wieder einmal sehr anstrengend ist, da sein Deutsch für solche Erläuterungen zu wünschen übrig lässt. Dann laufen wir noch zu einem weiteren Chin-Dorf, wo außer drei kleinen Kindern niemand zu sehen war, und den Sinn, sich zwei Dörfer anzuschauen, habe ich sowieso nicht begriffen. Ich vermute, man muss hier einfach irgendwie die Zeit überbrücken, da man Nachmittag noch so viel davon hat und in der Unterkunft hat man ja Null Möglichkeiten für irgendwas. Gegen 16.45 Uhr sind wir dann aber zurück, eine halbe Stunde später gibt es warmes Wasser. Zum Glück hatte ich eh beschlossen, die Haare nicht zu waschen, denn das Wasser kommt nur aus dem Hahn, die Handbrause ist kaputt. Das Essen ist noch besser als am Abend zuvor und diesmal spielen wir sogar mal eine Runde UNO. Leider ist aber um neun Feierabend, so dass wir auch heute wieder alle früh in den Betten liegen.




29.12.2014
Die Nacht ist noch weniger schlimm an die letzte, denn unter den ganzen Decken ist es angenehm warm, und wenn man den Mottenkugelgeruch der Decken nicht allzu sehr aufsaugt, kann man eigentlich ganz gut schlafen. Ich schlafe dennoch unruhig, und gegen 5.00 Uhr ist die Nacht rum für mich. Manuela geht es aber genauso, und so machen wir uns recht früh schon wieder gemütlich fertig, packen die Taschen und schauen uns wieder den Sonnenaufgang an. Nach dem Frühstück ist um 8.00 Uhr Abfahrt. Als erstes machen wir an einer „Tankstelle“ Halt. Getankt wird hier folgendermaßen: Man hält einen großen Trichter in den Tank, darüber ein großes Sieb als Filter, und dann wird der Sprit per Kanne oder Kanister eingefüllt. Unglaublich! Wir fahren zunächst wieder runter, um auf der anderen Seite den Berg wieder hinauf zu fahren. Die Landschaft ist wieder traumhaft, wir fahren an Reisfeldern vorbei, die von Bauern mit Ochsenkarren bestellt werden. Idylle pur!. Es ist wieder eine sehr lange Fahrt, die vor allem wegen der schlechten Straßenverhältnisse und zahllosen Baustellen noch länger wird, die uns entweder zwingen, sehr langsam zu fahren oder abenteuerliche Umwege zu nehmen. Diese führe uns einmal durch ein Flussbett, wo der Wasserstand derzeit zu Glück nicht sonderlich hoch ist. Trotzdem müssen die Fahrer erstmal den besten Weg checken, während wir die anderen Verkehrsteilnehmer (vor allem Mopeds, aber auch vollbeladene Lkw und einen Mann mit zwei Ochsen) beobachten und fotografisch festhalten. Dann müssen wir tiefe Senken durchfahren oder über einen Acker ausweichen. Irgendwann gegen 13.00 Uhr sind wir dann endlich an unserer heutigen Unterkunft (Oasis Resort II) angekommen. Diese wirkt etwas neuer als unsere letzte, die Zimmer sind wesentlich geräumiger und heller. Erstmal haben wir aber nur Zeit für einen Toilettengang, denn es geht sofort weiter zum Mittagessen nach Mindat. Auch das ist wieder sehr gut, es gibt allerlei typische Kleinigkeiten. Danach fahren wir mit den Bussen noch weiter hinauf, bis wir an irgendeiner kleinen Nebenstraße aussteigen und von dort zu einem kleinen Chin-Dorf laufen. Das Problem ist, wie gestern, auch hier, dass wir (oder zumindest ein Teil von uns) sich nicht ganz wohl fühlt bei diesem Besuch, da es doch etwas so wirkt wie ein Zoobesuch. Vor jeder Hütte, wo sich ein paar Kinder ansammeln, wird geknipst bis der Arzt kommt, weil die ja alle so süß aussehen. Einige signalisieren ganz deutlich, dass sie nicht fotografiert werden wollen, aber das schreckt die Hardcore-Fotografen nicht ab, weiter zu machen. Andere haben aber scheinbar Spaß daran, und dann macht es auch Spaß, sie zu fotografieren. Wir latschen also durch das Dorf, werden entweder misstrauisch oder neugierig beäugt und werden dann zu einer Familie eines Jägers geführt, die ganz freundlich und aufgeschlossen und gegenüber sind. Hier machen wir einige tolle Fotos. In diesem Dorf fällt auch wieder auf, dass hier besonders viele Kinder und kaum Erwachsene zu sehen sind. So erklärt, wie wir bereits vermutet hatten, dass die Erwachsenen alle arbeiten sind, vorwiegend im Straßenbau. Ein kleines, etwa sechsjähriges Mädchen schleppt die ganze Zeit einen kleinen Jungen in einem umgebundenen Tuch durch die Gegend (ein Bild, das wir heute ganz häufig gesehen haben). Es wird Kaffee angebaut und geröstet (zum Eigenverbrauch), Reisschnaps gebrannt, das Viehzeug (Schweine, Hühner, Hunde) rennt überall herum. Es ist echt wir vor 100 Jahren oder so. Es fällt mir schwer, zu beschreiben, wie die Leute leben, egal, was ich schreibe, es wird die Realität nicht wiedergeben können. Irgendwann wandern wir wieder zurück zu den Bussen,  es wird noch einmal getankt, Dann fahren wir noch bei einer Nasenflöterin vorbei. Diese spielt eine große Flöte tatsächlich mit der Nase, was wahrscheinlich etwas besonderes ist, für mich persönlich aber kein Highlight. Allerdings ist die alte Frau an sich sehr interessant. Auch sie ist im Gesicht tätowiert, was aufgrund ihrer unzähligen Falten gar nicht so auf den ersten Blick auffällt, aber ihr zahnloses Lachen ist herzlich und ansteckend. Und sie hat riesige Ohrlöcher, in denen riesige bunte Dinger stecken, die die Form von Jojos haben. Danach fahren wir dann zu unserer Unterkunft, und da der Weg heute wieder sehr staubig war, freuen wir uns schon sehr auf die Dusche. Das Problem ist nur, es gibt keine! Aber es gibt eine halbe Stunde warmes Wasser und eine große und kleine Schüssel der Duschecke im Bad, wo man sich dann halt selber das Wasser über den Kopf kippen muss. Wie früher bei Omma J! Und es funktioniert. Das Zimmer ist außerdem bei weitem nicht so kalt wie das letzte, und auch im Gemeinschaftsraum beim Abendessen ist es trotz fehlendem Ofen, angenehm warm. Wie das Bier. Als Manuela und ich die (sehr jungen) Kellner fragen, ob es möglich wäre, das Bier irgendwie draußen zu kühlen (in der letzten Unterkunft haben die es in einen Eimer kaltes Wasser gestellt), lächeln die ganz höflich und nach mehrmaligen Wiederholen der Frage haben sie uns dann auch verstanden. Die Antwort war, ganz nett und ehrlich gemeint: „Tomorrow morning it’s cold.“ Ja, super J! Das Essen ist gut und wieder reichlich, aber die Umgebung lädt auch wieder nicht zum lange Bleiben ein, so dass wir gegen 21.00 Uhr im Zimmer sind. Das hat immer noch eine angenehme Temperatur, vielleicht brauchen wir die zusätzliche Decke, die wir uns direkt bei Ankunft organisiert haben, heute Nacht ja gar nicht. Und morgen sind wir wieder in der Zivilisation (Strom gibt es hier nämlich auch nur von 18 Uhr bis 22 Uhr, und morgens eine Stunde oder so)! Juchu!






30.12.2014
Heute geht es nach einem weiteren spärlichen Frühstück wieder los, erst über eine staubige Schlaglochpiste, dann wird die Straße besser und die Fahrer geben Gas. Die Strecke ist kurvig und holprig und es macht überhaupt keinen Spaß mehr, da kann auch die schöne Landschaft nichts mehr dran rütteln. Das einzig gute an dieser Fahrt ist, dass sie uns wieder in die Zivilisation bringt! Dort (in Bagan) sind wir am frühen Nachmittag und wir freuen uns auf eine ausgiebige Dusche mit fließend warmem Wasser! Herrlich! Nach drei Tagen abseits von allem weiß man solche Annehmlichkeiten wirklich zu schätzen!


Tätowierte Chin-Frauen: Die Frauen der Chin im Westen von Myanmar (Burma) verzieren traditionell ihre Gesichter mit Tätowierungen. Diese kunstfertigen, schmuckvollen Zeichnungen sind sehr individuell gestaltet und unterstreichen wie sonst nirgends auf der Welt die Gesichtszüge. Die Frauen nahmen diese schmerzvolle Prozedur für die eigene Schönheit seit Jahrhunderten auf sich, in einer modernen Welt ist dieser Brauch jedoch vom Aussterben bedroht. Diesen Brauch gibt es schon seit einem Jahrtausend. Die burmesischen Männer fanden die Frauen der Chin so hübsch, dass sie sie als Sklavinnen mitnahmen. Aus Angst begannen die Frauen, ihre Gesichter zu tätowieren, um für die Burmesen nicht mehr so attraktiv zu sein. Sie kleiden sich schwarz mit dunkelroten Streifen und tragen trommelförmige Ohrringe aus Silber. Die Männer sind nicht tätowiert, binden sich aber ein Tuch um den Kopf, in das sie oft noch Federn stecken. Sie tragen ein kurzes Tuch um die Lende und ein Hemd mit einer Decke. Ihre Brust wird von gekreuzten, bestickten Bändern verziert. Oft tragen sie einen Nikotinwasserbehälter bei sich. Man sagt den Chin nach, dass sie gerne Alkohol trinken. Zudem sind sie dafür bekannt, Flöten mit der Nase zu blasen.

Freitag, 26. Dezember 2014

(Barfuß)Freier Tag - oder auch nicht


26.12.2014
Der Tag fängt heute einfach super an. Trotz frühen Aufstehens bin ich hellwach und fit und freue mich tierisch auf die Ballonfahrt. Um 5.35 Uhr werden wir mit einem altertümlichen Bus abgeholt und nachdem wir an einem anderen Hotel noch einige Gäste eingesammelt haben, fahren wir zum Startplatz, irgendwohin. Als wir dort ankommen, ist es bereits 6.15 Uhr und ich bin ein wenig unentspannt, weil ich befürchte, dass das alles viel zu spät wird, um noch den Sonnenaufgang mitzubekommen. Wir bekommen erstmal einen Kaffee und Kekse, dann folgen die Einteilung und das Briefing durch unseren Piloten (Mike, ein sehr netter, witziger Engländer). Anschließend beginnt das Befüllen der Ballons (auf unserem Platz werden fünf Ballons gleichzeitig vorbereitet), was echt spannend ist, da die Dinger ja echt riesig sind. Irgendwann erfolgt dann das Signal, dass wir in den Ballon klettern können, was wir umgehend tun, und dann geht es auch schon los. Kurz danach schweben wir in die Luft, völlig unspektakulär, aber die Aussicht ist von Anfang an nur toll. Erst sehen wir eigentlich nur die anderen Ballons, die vor uns fliegen, dann, als wir etwas höher steigen, können wir den ersten Blick über das in Nebel gehüllte Tempelfeld erhaschen. Super schön! Und dann, keinen Moment zu früh oder zu spät, geht die Sonne am Horizont auf! Eine rote Kugel, die alles in ein wunderschönes Licht taucht, was die ganze Szenerie schon mystisch wirken lässt. Es ist herrlich! Und leider viel zu schnell vorbei. Nach etwa einer Dreiviertelstunde setzen wir schon wieder zur Landung an, die recht sanft verläuft. Nachdem wir aus dem Korb geklettert sind, gibt es Champagner; Croissants und unsere Urkunde. Und dann ist auch schon alles vorbei und wir werden zu unserem Hotel zurück gebracht. Um viertel nach acht sitzen wir bereits mit den anderen beim Frühstück (was heute noch erbärmlicher ist als gestern, da das wenige, was es gibt, auch grad nicht verfügbar ist).
Da wir heute unseren freien Tag haben, trennt sich die Gruppe auf, ein paar fahren zum Mount Popa, wir haben erstmal nur vage Pläne. Ich genieße allein die Tatsache und den Gedanken daran, heute mal einen Tag ohne Programm und ohne Gruppe zu verbringen, und Manuela geht es ähnlich. Nachdem wir etwas rumtrödeln, fahren wir mit den Rädern die wir heute noch gemietet haben, zuerst nach Neu-Bagan, dann wollen wir einfach mal kreuz und quer durch das Tempelfeld fahren, uns alte tote Steine ohne Touristenscharen ansehen. Und: wir wollen heute unsere Schuhe nicht ausziehen, was heißen soll, wir wollen uns keine Pagode und keinen Tempel von innen ansehen. Wir radeln also fröhlich querfeldein, überall gibt es kleine ausgelatschte Pfade, die zwar teilweise schwierig zu fahren sind, da sie sehr sandig sind, aber egal. Wir haben ja Zeit! Auf dem Weg finde ich ein Hufeisen von einem der vielen Kutschpferde und stecke es ein. Als wir unsere Räder über einen Acker schieben, da hier nun gar kein Weg mehr vorhanden ist, treffen wir auf eine alte und eine jüngere Frau und ein kleines Kind, die im Schatten gerade ein Päuschen machen (vorher sah man sie am Feldrand mit irgendwas auf dem Kopf entlang laufen). Als wir an ihnen vorbei kommen, grüßen sie ganz herzlich und die jüngere Frau bietet uns gekochte Erdnüssen an. Da können wir gar nicht ablehnen. Als wir dann weiterfahren, müssen wir erstmal die ganzen Kletten aus unseren Schuhen entfernen und sind uns einig, dass es jetzt ganz schlecht wäre, einen Platten zu haben. Kaum ausgesprochen, ist Manuelas Vorderrad komplett platt. Schöne Scheiße! Also schieben wir unsere Räder über das Tempelfeld irgendwie in die Richtung, in die Neu-Bagan oder unser Hotel liegen könnte. Tatsächlich haben wir Glück, dass unser großartiger Orientierungssinn uns noch nicht allzu weit, bzw. sogar wieder näher an unser Hotel herangebracht hat. Dort wird das Fahrrad ganz unproblematisch gegen ein anderes ausgetauscht und es kann wieder los gehen. Wir beschließen nicht mehr die ganz kleinen Wege zu nehmen, sonder nur die breiteren Feldwege, auf denen auch die Kutschen fahren. Gesagt, getan, und es macht echt Spaß, so abseits irgendwelcher Touristenscharen, ganz allein durch die Tempelpampa! Und das bei herrlichstem Sonnenschein! Ein wunderbarer freier Tag! Und dann fühlt sich mein Fahrrad plötzlich etwas merkwürdig an beim Fahren! Ein kurzer Blick auf den hinteren Reifen bestätigt das: ein Platter! Oh Nein! Und diesmal waren wir definitiv schon weiter weg vom Hotel, hatten keine Lust, schon wieder zu schieben, und außerdem wollten wir ja am Ananda-Tempel bei dem Lackwarenverkäufer von gestern einkaufen gehen. Da wir laut Plan nicht mehr allzu weit davon weg sind, beschließen wir, dorthin zu fahren und die Räder dort stehen zu lassen und uns ein Taxi zu nehmen. Sollen die vom Hotel doch zusehen, was sie mit ihren Drahteseln machen! Über die Feldwege fahre ich auch mit dem Platten weiter, an der Straße schiebe ich besser. Am Tempel angekommen, gehen wir direkt zu unserem Händler (hierzu müssen wir doch die Schuhe ausziehen, da sein Stand auf heiligem Tempelboden ist), der mich auch sofort erkennt und sich freut, dass wir tatsächlich wiedergekommen sind (gestern hatten wir nicht so viel Zeit, in Ruhe zu schauen, er hat uns aber so nett zugelabert und angeboten, dass wir auch Klamotten gegen seine Sachen tauschen können. Das lasse ich mir ja nicht zweimal sagen und habe  heute zwei T-Shirts und eine Hose, die mir alle zu groß sind, im Rucksack). Wir schildern ihm zuerst unser Problem und er ruft auch direkt bei dem Fahrradverleiher an, der zusagt, innerhalb der nächsten halben Stunde zu kommen. Prima! Problem gelöst – denken wir… Ich suche mir eine Schale und 3 Dosen aus und verhandele mit dem Typen so lange, bis wir am Ende wohl beide zufrieden sind, Manuela kauft an einem anderen Stand etwas, dann gehen wir zu unseren Rädern (barfuß, das wir durch quer durch den Tempel latschen). Und warten auf den Fahrradmenschen. Und warten und warten. Irgendwann haben wir keinen Nerv mehr, außerdem Hunger und beschließen, nun doch auf die Taxi- bzw. Kutschenvariante umzusatteln. Also gehen wir los, fragen den ersten Kutscher, den wir sehen, der wartet aber bereits auf einen Kunden. Nachdem wir um den halben Tempel marschiert sind und dort an einem Sammelplatz nach dem Preis nach Neu-Bagan fragen, ist uns das zu teuer und wir beschließen, doch ein herkömmliches Taxi zu nehmen. Das Problem ist nur: es gibt keines. Alle, die hier unterwegs sind, haben bereits Kunden an Bord. Also, wir sind ja nicht dumm, gehen wir zu dem Restaurant von gestern und fragen dort, ob die uns ein Taxi rufen können. Und dort haben wir Glück, denn einer vom Restaurant meinte, er hätte ein Taxi und könnte uns fahren, der Preis war auch in Ordnung. Wir sollten nur einen Moment warten, er müsse nur kurz seinen Bruder anrufen, der nämlich würde das Taxi fahren. Ich sah ihn dann hin und her laufen, mit zwei Handys telefonieren, bis er wieder zu uns kam und meinte, sein Bruder wäre leider busy. Er versuchte dann noch erfolglos (warum auch immer),  bei unserem Hotel anzurufen, damit die uns ein Taxi schicken, aber als das auch nicht klappt, dackeln wir wieder weiter, inzwischen schon einigermaßen frustriert. Auf dem Weg zu unseren Rädern (da wir wieder die Abkürzung durch den Tempel nehmen, müssen wir erneut die Schuhe ausziehen) kommen wir wieder an dem Lackwarentypen vorbei, der ganz erstaunt ist, dass wir noch da sind. Als wir ihm erklären, dass niemand gekommen ist, ruft er nochmal dort an und meint, wir sollen bei unseren Rädern warten, es wäre jemand unterwegs. Also laufen wir nochmal um den halben Tempel und hocken uns zu unseren Rädern und warten. Und warten… Manuela radelt dann nochmal zu dem anderen Eingang, als ein Typ auf einem Mofa ankommt. Der ist von dem Fahrradverleiher. Ich falle fast vom Stuhl, da wir beide davon ausgegangen sind, dass wir inklusive der Räder abgeholt werden. Nichts da! Aber der Hammer ist, dass der noch nicht einmal irgendetwas dabei hat um einen Fahrradreifen zu reparieren! Er fragt erst die Frau am Getränkestand, dann einen Mann gegenüber, und als ihm scheinbar niemand aushelfen kann, nimmt er das Rad, schwingt sich auf sein Moped, meint, „Wait a Moment“ und fährt davon. In dem Moment kommt Manuela wieder, ebenso ungläubig wie ich, aber es hilft nichts, wir müssen wieder warten. Und warten und warten… Es ist wirklich unglaublich! Insgesamt sind wir nun schon seit mindesten zwei Stunden hier und warten! Nach einer gefühlten Ewigkeit kommt der Typ um die Ecke, sichtlich stolz, denn er hat das Fahrrad repariert. Super! Auch wenn ich dem ganzen nicht ganz traue, sind wir dennoch froh, dass es weitergehen kann. Und notfalls fahre ich mit einem Platten zurück! Aber der Reifen hält! Und so kommen wir irgendwann endlich völlig fertig und ausgehungert an dem Restaurant (im Reiseführer empfohlen) an, das wir uns für diesen Tag ausgeguckt hatten. Ein Blick in die Karte zeigt direkt, dass dieses (für hiesige Verhältnisse) recht teuer ist. Und die Kellner sind auch nicht sonderlich motiviert, so dass wir schon Befürchtungen wegen des Essens an sich haben. Da fällt uns ein, dass uns heute, seitdem ich das Hufeisen gefunden habe, das Pech irgendwie verfolgt hat. Und so hole ich es aus dem Rucksack und hänge es an einen Blumenkübel. Soll es anderen Leuten Unglück bringen! Das Essen ist hervorragend, das Bier schmeckt nach diesem Tag köstlich und gemütlich radeln wir anschließend zurück zum Hotel, wo wir den Rest des Tages auf unserer Terrasse verbringen.
                                                                                                 

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Balloons over Bagan - Schön war's


Bagan - Vergangenheit und Gegenwart


25.12.2014
Heute können wir ein bisschen länger schlafen, da wir erst um halb neun starten. Das Frühstück findet im Freien statt, was echt schön ist, vor allem, wenn man einen kurzen Gedanken nach Hause verschwendet. Die überaufmerksamen Kellner sind allerdings so nervig, dass ich schon befürchte, dass ich gleich von ihnen gefüttert werde. Aber vermutlich wollen sie dadurch nur von dem Witz eines Frühstücksbuffets ablenken. Das ist echt mit Abstand das schlechteste bisher, wobei die Zimmer für mich die schönsten (wenn auch nicht die größten) sind. Irgendwann hören wir ein Geräusch, was wir zunächst nicht zuordnen können, bis wir einen Heißluftballon quasi direkt neben uns, etwa 20 Meter über dem Boden entlang fahren sehen. Und noch einen, und noch einen. Hammer! Und morgen sind wir dran J. Dann satteln wir unsere klapprigen Räder und machen uns auf, Bagan zu erkunden. Zuerst fahren wir eine staubige „Hauptstraße“ entlang, bis zu dem örtlichen Markt, wo wir die erste Pause einlegen. Auch hier winken uns die Menschen von den meist extrem überfüllten Bussen zu und lachen. Hier aber bin ich mir fast sicher, dass sie uns auslachen. Der Markt ist eigentlich auch klasse und lädt zum Bummeln ein, wenn da nicht an jeder Ecke irgendwelche Frauen wären, die einem ziemlich penetrant irgendetwas aufschwatzen wollen. Man darf eigentlich den Blick nicht länger als eine Sekunde auf etwas richten, sonst kommt sofort jemand an, „Souvenir“, halten einem das Objekt der Begierde vor die Nase und lassen sich auch von einem mehrfachen, freundlichen “No, thank you.“ in keinster Weise abbringen. Ich würde mir so gerne in Ruhe die hübschen Schalen, Dosen, etc. ansehen, die hier für die Gegend offenbar typisch sind (hübsch lackiertes Bambusholz), aber schon nach kurzer Zeit gebe ich es auf und hetze durch die engen Gänge, bis ich wieder auf die Gruppe treffe. Dann radeln wir weiter, bis zur Shwe-Zigon-Pagode, die wir uns anschauen. Manuela und ich sind etwas irritiert, weil hier ebenso ein Trubel herrscht wie an allen anderen Pagoden, die wir bisher gesehen haben, und das so gar nichts mit den Tempelruinen zu tun hat, die wir uns so vorgestellt haben. Wahrscheinlich sind wir aber einfach nur totale Kultur- bzw. Pagodenbanausen, denn bei den anderen hatte ich nicht unbedingt den Eindruck, dass sie genauso empfinden. Nun gut, da muss man dann bei einer durchorganisierten Gruppenreise halt durch, und so trotte ich irgendwie nur hinterher und höre teilweise gar nicht mehr zu. Dabei ist die Geschichte Bagans durchaus interessant*. Aber für mich sehen diese goldenen Stätten alle gleich aus, und auch wenn die eine ein Haar, die andere ein Knöchelchen Buddhas beherbergt, ändert das für mich nichts. Dann geht es zum Ananda-Tempel und Ananda-Kloster (sehr schöne Wandmalereien aus dem 18. Jahrhundert). Das Mittagessen nehmen wir in einem rein vegetarischen Restaurant ein, allerdings ohne jegliche Vorwarnung unseres Reiseleiters. Und so esse ich mangels einer besseren Idee einen griechischen Salat, der nicht nur verhältnismäßig teuer, sondern auch richtig schlecht ist. Die anderen sind zwar zufriedener mit ihrem Essen, aber wirklich satt wird keiner. Weiter geht es anschließend zum Shwegugyi-Tempel, wo wir einen Fotostopp einlegen, um – wie hunderte andere Touristen auch – den Tempel hinaufsteigen um oben festzustellen, dass der Blick nichts wirklich besonderes zu bieten hat. Und die eine Richtung, die ein schönes Motiv hätte hergeben können, ist verbaut mit Masten und Kabeln. Tja, der Fortschritt ist da. Überhaupt hat die Route heute für mich nichts mit dem zu tun, was ich mir laut Reiseführer vorgestellt hatte, denn dies scheint die Touristenroute zu sein. Ich wäre lieber ins Ruinenfeld rein gefahren und hätte mir die Tempelanlagen von außen ohne andere Menschen angesehen. Dann fahren wir noch zum Gubyaukgyi-Tempel (tolle Wandmalereien aus dem 13. Jahrhundert), zum Manuha-Tempel und zum Nampaya-Tempel (einziger hinduistischer Tempel hier). Danach verabschieden Manuela und ich uns von der Gruppe, da wir beschlossen haben, dass wir den Sonnenuntergang, der noch von einem anderen Tempel geplant ist, ausfallen zu lassen. Immerhin werden wir morgen früh den Sonnenaufgang vom Ballon aus sehen (da freue ich mich riesig drauf!)!. Wir radeln gemütlich zum Hotel zurück, genehmigen uns ein kühles Bierchen auf unserer Terrasse und spülen uns dann erstmal den Staub vom Körper. Unglaublich, was da für ein Dreck runter kommt! Essen gehen wir später dann wieder alle gemeinsam in einem kleinen Restaurant in der Nähe unseres Hotels. Ist kein Highlight, aber trotzdem ganz lecker. Interessant ist der Weg zum Klo. Links neben dem Eingang wird auf dem Boden das dreckige Geschirr gesammelt, was damit danach passiert, ist nicht erkennbar. Eine Spüle ist auch in der geradeaus liegenden, einsehbaren „Küche“ nicht auszumachen. Die Küche ist etwa 12 qm groß und da kocht „Mutti“ auf zwei Flammen, irgendein Zeug steht drumherum, alles wirkt schmuddelig, aber nicht wirklich dreckig oder gar eklig. Bevor man zum Kloraum abbiegt, durchquert man einen Raum, in dem auch noch einiges Zeug herumsteht, u.a. sogar eine Mikrowelle, in der offenbar der Reis aufgewärmt wird. Auch hier könnte grundsätzlich mal wieder durchgewischt werden. Aber ich denke, das ist hier nicht so schlimm wie z.B. in dem Lokal gestern, in dessen Küche wir (glücklicherweise?) keinen Blick haben werfen können. Und: Keiner von uns hat bisher irgendwelche Magen- oder sonstige Probleme gehabt. Alles ist gut. Um halb zehn liegen wir dann schon wieder im Bett, texten noch ein bisschen und freuen uns auf morgen. Da heißt es wieder mal, früh aufstehen, aber dieses Mal für eine schöne Sache: meine erste Ballonfahrt! Ich freu mich!

* Bagan: Bekannt als die Stadt der vier Millionen Pagoden ist sie eine der reichsten archäologischen Stätten Asiens und das Hauptziel der Touristen in Myanmar. Sie war auch die Hauptstadt des ersten burmesischen Reichs. Diese bezaubernde Stadt liegt am Ostufer des Ayeyarwaddy Flusses, ungefähr 193 km südlich von Mandalay. Die Ruinen der Stadt Bagan erstrecken sich mit über 2000 Bauwerken über eine Fläche von 42 km². Die meisten dieser noch gut erhaltenen Tempel und Pagoden bieten ein reiches archäologisches Erbe aus dem Zeitalter des 11. bis 13 Jahrhunderts. Auf dem Areal von Bagan stehen tausende historischer Tempel, trotzdem ist es nicht als Weltkulturerbe ausgewiesen. Das liegt daran, dass zum einen die touristische Infrastruktur rücksichtslos ausgebaut wird (z.B. ein 60 m hoher Aussichtsturm, der alles überragt), zum anderen daran, dass reiche Burmesen neue Tempel finanzieren, die teilweise auf historischen Fundamenten gebaut werden. Diese verfälschen das Bild des alten Bagan.


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Bootstag auf dem Ayerwaddy


24.12.2014
Heiligabend! Frohe Weihnachten!
Wir müssen heute schon wieder um 4.20 Uhr aufstehen, weil der Bus uns um 6.00 Uhr abholt und uns zum Fähranleger bringt, von wo aus wir mit einem Boot nach Bagan fahren. Wir sichern uns Stühle auf dem oberen Deck, die halb überdacht sind, damit wir nachher schön in der Sonne entspannen können. Allerdings ist es erstmal bitter kalt, und so sitze ich eingmuckelt in meine Daunenjacke da rum, die Füße (ich habe ja nur FlipFlops an) eingewickelt in ein Handtuch und friere trotzdem. Irgendwann wird es aber warm, und dann auch richtig. Ich knalle mich zwischendurch in die Sonne, muss dann aber auch wieder in den Schatten flüchten, so heiß ist es. Der Gedanke, dass heute Heiligabend ist, ist völlig abwegig! Anfangs genieße ich den Umstand, heute mal einfach gar nichts zu machen, kein Tempel, keine Pagode, einfach nur faul rumzuhängen. Irgendwann wird es allerdings doch ein wenig langweilig, und so recht weiß ich nicht mehr, wie ich sitzen soll. Den ganzen Tag mit den anderen quatschen habe ich auch keinen Nerv drauf, da die Gruppe zwar nett ist, aber ich heute langsam merke, dass es mir zu viel wird, und der Gruppenkoller langsam auf mich zukommt. So lese ich in meinem Reiseführer, bis ich auch dazu keine Lust mehr habe. Eigentlich hatte So gemeint, dass wir 9 Stunden brauchen, den Ayerwaddy runterzutuckern bis nach Bagan. Das sind zwar nur knapp 280 km, aber durch den niedrigen Wasserstand muss das Boot quasi Zickzack fahren, um die Sandbänke herum. Tatsächlich sind es dann aber11 Stunden und die letzten Stunden sind einfach nur nervig. Der Fluss, bzw. dessen Ufer ist auch total langweilig, und die beiden einzigen Highlights sind die „Bananenfrauen“ (Frauen, die vom Ufer, bzw. bis zur Hüfte im Wasser stehend, Bananen anpreisen, diese an Bord werfen und dafür wird ihnen das Geld ins Wasser geworfen) und der wirklich schöne Sonnenuntergang kurz bevor wir Bagan erreichen. Als wir in Bagan an Land gehen werden wir erstmal wieder von zig Leuten belagert, die vor allem Bücher über Myanmar verkaufen wollen. Das nervt, vor allem weil sie auf ein „No, thank you“ einfach nicht reagieren und einen ziemlich penetrant bis zum Bus „verfolgen“ und selbst da noch an der Scheibe kleben. Endlich fährt der Bus los und bringt uns auf direktem Weg ins Hotel („Kaytumadi Dynasty“). Ein sehr schönes Hotel, mit ganz hübschen, sehr neu wirkenden Bungalows. Allerdings erschließt sich mir nicht, warum wir am Arsch der Welt untergebracht sind, sowohl weit weg von den Tempelfeldern, als auch von der „Stadt“ (30 Minuten „Gehweit“, wie So meinte – meint aber Gehzeit). Als wir ankommen, ist es bereits kurz vor 19.00 Uhr. Wir checken kurz ein, und verabreden uns schon für 19.30 Uhr zum Abendessen. Da wir noch ein bisschen Wäschen machen, sind wir nicht ganz pünktlich zu unserem „Weihnachtsessen“. Ist aber auch nicht weiter tragisch, da zum Glück keiner ernsthaft Weihnachten feiern will, und so im Grunde alles ist wie sonst. Außer, dass Rainer – der tatsächlich ein bisschen ausschaut wie der Weihnachtsmann – dann eine Mini-Bescherung inszeniert und jedem eine Kleinigkeit schenkt (Manuela und mir zum Beispiel ein Goldplättchen, wie das, was hier alle auf die Buddhas kleben). Eine süße Idee, aber das wars dann auch mit Weihnachten. Um halb zehn gehen alle in ihre Bungalows.




Dienstag, 23. Dezember 2014

Essenskultur


23.12.2014
Heute starten wir um 8.30 Uhr. Das erste Ziel ist das Amarapura, wo wir uns im Mahagandayon-Kloster die „Mönchsfütterung“ anschauen. Das Kloster ist nämlich vor allem durch die über 1000 Mönche bekannt, welche täglich in den frühen Morgenstunden zwischen 6.00 bis 10.00 Uhr Lebensmittel mit ihren Essensschalen in Mandalay und Umgebung einsammeln. Hieraus wird eine Mahlzeit zubereitet, die  vorwiegend aus Reis, Fleisch, Gemüse und Obst besteht. Um 10.15 Uhr morgens marschieren die über 1000 Mönche in Reih und Glied an den riesigen Kochtöpfen vorbei, wo ihnen die Essensrationen zugeteilt werden. Danach begeben sie sich in die großen Speisehallen um ihr Mittagessen einzunehmen. Dieses Mittagessen der Mönche ist inzwischen zu einer Touristenattraktion geworden, so finden sich täglich auch einige hundert Touristen zu dieser Zeit beim Kloster ein. Wir kommen uns ein wenig vor wie im Zoo, wenn alle auf die Raubtierfütterung warten. Aber natürlich schiessen auch wir unsere Fotos. Danach fahren wir zur U Bein-Brücke. Darauf hatte ich mich schon gefreut, tatsächlich ist sie für mich dann eher unspektakulär. Und am schönsten soll sie sowieso zum Sonnenuntergang sein, wovon wir leider nichts haben. Auch hier spürt man schon sehr deutlich den voranschreitenden Tourismus. Die Händler wirken nicht mehr so freundlich und tatsächlich versuchen sie hier bereits, ihren Profit zu schlagen, indem sie einfach mal 50% auf den Preis aufschlagen. Als ich den Typ drauf anspreche, bekomme ich die Cola billiger. Die U Bein-Brücke selbst ist ein Fußgängerübergang, der den Taungthaman-See quert. Die 1,2 Kilometer lange Brücke wurde um 1850 erbaut und gilt als älteste und längste Teakholz-Brücke der Welt. Den Namen hat die Brücke von Bürgermeister U Bein, der ihren Bau in Auftrag gab. Die Brücke ist auch in der heutigen Zeit eine wichtige Verbindung für die lokale Bevölkerung. Zum Bau der Brücke wurde Holz aus dem ehemaligen Königspalast in Inwa verwendet. Über 1.086 Pfähle wurden in den Seegrund gerammt; einige wurden inzwischen durch Betonpfeiler ersetzt. Weiter geht es zu dem Ort Sagain, erst mit dem Bus, dann steigen wir um in einen Pickup, der uns auf den Sagain-Hill bringt, wo wir uns wieder mal eine Pagode anschauen. Das schöne daran ist die Aussicht in alle Himmelsrichtungen. Auf dem Weg hinunter besuchen wir noch kurz ein Nonnenkloster und dann geht es zum Mittagessen. Wieder fahren wir an extrem ärmlichen Häusern vorbei, die teilweise noch viel schlimmer aussehen, als die in der Gegend, wo wir gestern mit dem Fahrrad durch sind. Allerdings wirkt hier auch alles noch viel schlimmer, weil die Häuser, bzw. Hütten, direkt an der extrem staubigen Straße stehen und alles mit einer dicken Staubschicht belegt ist. Ganz furchtbar. Ich denke gerade, wie schlimm es ist, ständig in diesem Staub leben zu müssen, da hält der Bus, weil wir das „Restaurant“ erreicht haben, welches ebenfalls direkt an dieser staubigen Straße liegt. Zum Glück bekommen wir drin einen Tisch.  Heute „dürfen“ wir das erste Mal eine richtige burmesische Mahlzeit essen. So hatte vorher gemeint, wir müssten uns erstmal langsam an die Küche hier gewöhnen, bevor wir das essen. Dieses Essen bestand aus zig kleinen Speisen, wie z.B. Salat, Hirschgulasch, Sojadedöns, Kürbismus,  Bohnen, Linsen, zig anderen Dingen, einer Schale mit Innereien und ohne Ende Reis. Es war okay, aber wir waren uns auch alle einig, dass es kein Highlight und das Essen gestern viel leckerer war. Das ganze gab es aber für umgerechnet 1,80 €! Nach dem Essen, inzwischen ist es bereits 14.30 Uhr, fahren wir wieder zurück nach Mandalay. Da geht das Programm eigentlich weiter. Auf dem Programm steht eine zweistündige Bootsfahrt nach Mingun, dort Besichtigung der Sehenswürdigkeiten und wieder zurück. Manuela und ich entscheiden uns dafür, zum Hotel zu gehen (ist nur ca. 500 Meter von der Anlegestelle entfernt) und dort ein bisschen auf der Dachterrasse zu entspannen. Sightseeing reicht für heute. Es ist so krass, wenn man vor dort runterschaut Richtung Ayarwaddy-Fluss und dort direkt gegenüber des Hotels das absolute Elend der Leute sieht. Uns geht es verdammt gut!





Montag, 22. Dezember 2014

Radeln in der Gegenwart


22.12.2014
Wir sind um 6.00 Uhr bereits auf, eine Viertelstunde vor dem Wecker. Das Frühstücksbuffet ist echt lecker, auch wenn ich so langsam meine Wurst und gescheites Brot vermisse. Um kurz nach 8.00 Uhr sind wir dann startklar für unsere Fahrradtour durch Mandalay. Diese führt zuerst an der Straße parallel zum Ayarwaddy entlang, dort, wo wir gestern langgelaufen sind. Heute Morgen im Tageslicht sieht man noch viel deutlicher, in welch erbärmlichen Zuständen die Leute hier leben. Diese sitzen bereits zum Frühstück am Straßenrand zusammen, und die Kinder grüßen uns genauso begeistert wie gestern Abend. Es ist schon schockierend, dieses Elend. Und trotzdem wirken die Menschen nicht elendig! Es ist anfangs noch etwas frisch, und dass ich in der ersten halben Stunde ins Schwitzen komme, liegt sicher nicht an den Temperaturen sondern eher an dem „anderen Verkehrssystem“. Hier fährt wirklich scheinbar jeder wie er will, LKW, Autos, Mopeds, ein paar wenige Fahrräder. Vor allem aber Mopeds. Gefühlte Hunderttausend! Da diese hier nur rund 500 Dollar kosten, kann sie sich nahezu jeder leisten. Und nahezu jeder scheint sich eines geleistet zu haben. Wenn man hier nicht selbst Moped fährt, dann hinten drauf, manchmal sogar zu dritt, und die Mädels im „Damensitz“. Überall wird gehupt und anfangs muss ich erstmal lernen, dass nicht ich gemeint bin, sondern dass man hier einfach hupt, ich glaube, man braucht hier nicht einmal einen Grund. Wenn ein Mopedfahrer abbiegen will, dann TUT er es, das kann dann auch schon mal eng werden, wenn man selbst geradeaus will, und überholt wird sowohl links als auch rechts, und es kann auch schon mal vorkommen, dass einem auf der eigenen Spur jemand entgegen kommt. In der ersten halben Stunde denke ich „Ich will einen Bus!“, aber irgendwie gewöhnt man sich daran, und es funktioniert, wenn man nicht zu ängstlich und verhalten fährt. Und: es macht Riesenspaß!!! Das ist einfach unglaublich! Und die Leute sind der Hammer, viele lachen, winken, rufen „Mingelaba“, freuen sich einfach. Das ist eine Riesengaudi und ich kriege das Grinsen zwischendurch nicht aus meinem Gesicht. Manchmal frage ich mich zwar, ob die Leute nur lachen weil sie so freundlich sind oder uns auslachen weil wir so dumm sind, uns auf Fahrrädern in den Verkehr zu stürzen, oder vielleicht sogar, weil sie uns so ihren Respekt mitteilen, dass wir genau das tun. Wahrscheinlich ist es von allem ein bisschen. Am Ende ist das auch völlig egal! Wir besichtigen erst den Mahandi-Tempel, danach geht es quer durch die Stadt zu einem Marionetten-Hersteller. Um dort hin zu kommen, fahren wir durch eine Gegend, die man durchaus als Slums bezeichnen darf. Aber auch hier treffen wir ausschließlich auf freundliche winkende und grüßende Menschen. Wir scheinen hier tatsächlich eine regelrechte Attraktion zu sein und eigentlich ist es viel zu schade, dass wir da einfach nur durch fahren. Hin und wieder halten wir vereinzelt um ein Foto zu schießen, und auch als ich einmal kurz die Gruppe aus den Augen verliere, fühle ich mich nicht unwohl. Die Menschen hier wollen einem nichts Böses! Das wäre in einigen Ecken Südamerikas anders, denke ich.  Die Armut, die man hier sieht, ist überwältigend, aber es herrscht hier auch eine wahnsinnige Lebendigkeit. Es ist irgendwie großartig, auch wenn sich das blöd anhört. Wir sind wie elektrisiert und So, unserem Reiseleiter, dankbar, dass er uns auch in solche Ecken der Stadt führt, denn nur so haben wir einen wirklichen Eindruck von den Menschen und dem Leben hier. Dann schauen wir uns jeweils in einer kleinen Manufaktur an, wie Marionetten, bzw. Blattgold hergestellt werden, interessant, aber für mich bei weitem nicht so spannend wie das Leben auf der Straße. Und da ich außerdem schon morgens mit Verspannungen und Kopfschmerzen aufgewacht bin, schalte ich dort bei den Erklärungen einfach mal ab. Dann geht es wieder weiter, wieder rein in den Verkehr, vorbei an Straßenhändlern, Garküchen, Frauen, die auf ihrem Kopf diverse Dinge balancieren. Zwischendurch komme ich mir vor wie vor 100 Jahren, allerdings passen die Millionen Mopeds nicht ins Bild. Zu Mittag essen wir in einem sehr sehr einfachen „Restaurant“, wo wir ein großartiges Buffet bekommen, was aus dem üblichen Essen des Shan-States besteht. All You can eat, und das für umgerechnet 3,50 €. Wahnsinn! Wir sehen uns noch einen Tempel an und die Pagode mit dem „größten Buch der Welt“, welches auf 729 Marmortafeln verewigt wurde. Ganz interessant, aber ich bin inzwischen echt durch, meine Kopfschmerzen sind schlimmer geworden, und so lasse ich mich von unserem Fahrradverleiher auf der Ladefläche eines Mini-LKw zurück ins Hotel bringen. Damit bin ich wohl bei einigen auch eine kleine Attraktion, viele grinsen mich an oder winken. Ich bin froh, ein bisschen Ruhe zu haben, lege mich ein wenig hin. Manuela und die anderen kommen etwa 1,5 Stunden später. Da heute keiner von uns Lust hat, nochmal raus auf die staubige Straße zu gehen, treffen wir uns im Hotelrestaurant zum Abendessen.



Sonntag, 21. Dezember 2014

Road to Mandalay

21.12.2014
Die Nacht war angenehm, außer als ich auf die Toilette muss und aus meinem warmen Bettchen in die Eiseskälte muss (Renate erzählt später, sie hatten auf dem Thermometer in ihrem Zimmer 6,8 °C !!). Ich kann dann auch erst wieder schlafen, nachdem ich die Heizdecke nochmal hochgestellt habe. Nach dem (spärlichen) Frühstück fahren wir um 8.00 Uhr ab. Heute haben wir einen langen Fahrtag vor uns. Bis nach Mandalay sind es ca. 300 km, aber da es über Land geht, sind ca. 7 Stunden Fahrzeit angesetzt. Die Landschaft ist herrlich, erinnert mich teilweise an die Toskana und aber auch an die Gegend am Colca-Canyon in Peru. Ungläubig sehen wir, wie bereits einige Frauen bis zum Knöchel in einem Tümpel stehen und ihre Wäsche waschen und ein kleines Kind splitternackt darin badet. Bei den Temperaturen! Ich habe im Bus immer noch die Daunenjacke an (kurz danach wird diese jedoch als Kissen umfunktioniert und auch die Sweatjacke kann ich ausziehen, es ist schon um 9.00 Uhr wieder angenehm warm. Die Straße wird an einigen Stellen erneuert, und auch hier fällt wieder auf, dass sehr viele Frauen dabei mitarbeiten. So erklärt dazu, dass Frauen zum einen sehr billige Arbeitskräfte seien, sie aber vor allem durch ihre Fähigkeit, viel Gewicht auf dem Kopf zu balancieren (bis zu 50 Kilo), z. B. zum Steine transportieren geeignet sind. In einem Buch („Gebrauchsanweisung für Burma“ lese ich, dass ganz viele Künstler (u.a. Robbie Williams, Frank Sinatra, Elton John) Mandalay, den Ort, wo wir die nächsten drei Tage übernachten, besungen haben, aber noch keiner davon dort war, allein wegen dem wohlklingenden Namen der Stadt. Mandalay ist mit ca. 1 Mio Einwohnern die zweitgrößte Stadt Myanmars und lt. Beschreibung laut, heiß und verbaut. Heiß klingt super für mich!!! Für morgen steht dort eine Radtour auf dem Programm. Vorgestern hatte So gemeint, er würde davon abraten, da das aufgrund des extremen Verkehrs (Autos, Laster, vor allem ohne Ende Mopeds), wo alle irgendwie durcheinander fahren, zu gefährlich wäre. Da wir ja einen Aktivurlaub gebucht haben und letztens die Wanderung zum goldenen Felsen schon ausfiel und wir uns bisher nicht wirklich viel bewegt haben, sind wir natürlich nicht begeistert gewesen. Aber sein Leben will natürlich auch keiner aufs Spiel setzen. Heute meinte So dann aber, wenn wir alle vorsichtig sind, dann wäre die Radtour kein Problem. Wir sind gespannt.  Irgendwann machen wir einen Fotostopp um die wunderschöne, bergige Landschaft zu knipsen, und So beschließt spontan, dass wir hier eine halbe Stunde „wandern“ gehen können. Wir bummeln den Weg runter, bis zu einer Ebene kommen, wo Mandarinen, Chili und Kaffee angebaut werden. Uns kommen auf dem Weg ein paar Einheimische mit einer Tüte Mandarinen entgegen und der eine schenkt uns allen eine. Total nett, total lecker! Die Bewegung tut gut, vor allem weil wir ja noch einige Stunden vor uns haben. Die Fahrt geht weiter, eine Serpentinenstraße entlang, die Landschaft erinnert mich ganz stark an Costa Rica. Mittags essen wir in einem ganz einfachen Restaurant, eher eine Einheimischenküche, aber das Essen ist lecker, sehr günstig, und die Bedienung super aufmerksam. Ich finde es klasse, dass So uns nicht in die Touri-Restaurants schleppt, sondern dass wir „vor Ort“ essen und so viel besser mit den Menschen hier in Kontakt kommen können. Danach geht es weiter, vorbei an einer Geisterstätte, an der der Busfahrer dreimal hupt, um dem Nat Respekt zu zeigen. Ich döse zwischendurch etwas weg, aber richtig schlafen kann ich nicht. Die andschaft wird irgendwann flacher und etwas öder, dann fahren wir an Bananen- und Mangoplantagen vorbei, bis wir schließlich nach Mandalay kommen. Die Stadt ist tatsächlich laut und wirkt erstmal recht schäbig, hunderte Mofas sind neben den anderen Verkehrsmitteln auf der Straße unterwegs, auf vielen sitzen drei Leute oder Mädels hintendrauf im „Damensitz“. Allerdings ist heute Sonntag und wahrscheinlich wird der Verkehr morgen noch mehr werden. Überall wird gehupt. Unser Hotel („Ayarwaddy River View Hotel“) liegt am Fluss Ayerwaddy und ist echt schick, das Zimmer geräumig. Nachdem wir geduscht haben, machen wir erstmal Wäsche, da wir ja hier drei Nächte bleiben und alles gut trocknen kann. Um 18.45 Uhr treffen wir uns mit einem Teil der Gruppe und laufen zu einem Restaurant am Fluss. Es ist faszinierend und schockierend zugleich, als wir feststellen, dass die einfachen Leute hier am Fluss leben, quasi an der Straße ihr Essen zubereiten und gemeinsam essen, deren ganzes Leben sich hier abspielt. Aber die kleinen Kinder kommen auf uns zu, begrüßen uns, lachen, sind fröhlich und freuen sich wahnsinnig, als ich ein paar Fotos von ihnen machen und anschließend zeige. Wie gerne würde ich ihnen ein Foto dalassen! Auch die Erwachsenen grüßen, sind sehr freundlich und ich habe trotz der Dunkelheit und all der fremden Menschen überhaupt kein ungutes Gefühl, eher im Gegenteil. Ein komisches Gefühl haben wir degegen, als wir dann auf dem Rückweg, als wir einfach über die Stra0e gehen müssen und in unser Superluxushotel verschwinden, währen die Leute dort in einfachsten Verhältnissen auf der Straße leben. Und doch irgendwie zufrieden wirken. Manuela und ich trinken auf der Dachterrasse noch ein Bierchen, dann geht’s aufs Zimmer. Morgen wird ein aufregender Tag!







10000 Buddhas


20.12.2014
Die Nacht war dank einer zusätzlichen Wolldecke und meines Inlays erträglich. Auch heute starten wir erst um 9.00 Uhr. Das Boot, auf dem heute Wolldecken bereit liegen (hat es sich bereits rumgesprochen, dass wir so Frostbeulen sind?) bringt uns wieder zu dem Anleger von vorgestern. Hier steigen wir in den Bus und machen uns auf den Weg nach Pindaya. Kurz halten wir noch an einem hölzernen Kloster, wo einige junge Mönche leben, dann führt uns der Weg durch eine wunderschöne lebendige Landschaft und einige Ortschaften, die bei weitem nicht alles aus Bambushütten bestehen, sondern man sieht einige gemauerte Häuser. So erklärt, dass hier alles mögliche angebaut wird, Getreide, Kartoffeln, Mais, verschiedene Kohlsorten, Ingwer, Raps, etc. Auch hier sieht man überall Menschen, beim Straßenbau, der Feldarbeit oder beim Waschen. An einem Tümpel sitzen zig Frauen, die heute scheinbar Waschtag haben. Hier wird ein Fotostopp eingelegt und wie eine Horde Voyeure halten wir die Kameras auf diese Menschen. Die meisten von uns aus der Ferne, und als ich sehe, dass nicht nur die Wäsche gewaschen wird, sondern komplette Körperpflege betrieben wird, lasse ich das fotografieren ganz sein. Es gibt aber tatsächlich Leute, die das offensichtlich kein bisschen stört, und so steht ein Mann aus unserer Gruppe inmitten sich waschender Frauen und hält die Kamera aus einem halben Meter Entfernung drauf! Das ist ein Moment des extremen Fremdschämens. Ich finde schon, dass man diesen Menschen, auch wenn auf uns alles sehr fremdartig wirkt, ein bisschen Würde und Privatsphäre zugestehen sollte. Gegen 12.30 Uhr erreichen wir das Städtchen Pindaya, unser heutiges Ziel. Zuerst decken wir uns in einem Laden mit grünem Tee ein, dann gehen wir in einem sehr schönen Restaurant (Green Tea Restaurant – wie passend) Mittagessen. Zur Pindayya-Höhle, die anschließend auf dem Programm steht, gehen wir auf Wunsch zu Fuß. Diese Höhle ist inzwischen mit mehr als 10.000 großen und kleinen Buddha-Figuren bestückt, die meisten golden, es gibt aber auch welche aus Marmor. Die Höhle ist ein wichtiger Wallfahrtsort für Buddhisten, und tatsächlich sehen wir auch einige Mönche, die dort durch die Gänge schreiten. Ein Buddha reiht sich an den anderen und in den Höhlen und Gängen wirkt was ganze schon sehr beeindruckend.
Nach der Höhle schauen wir uns noch an, wie die Shan-Schirme (Schirme aus selbst hergestelltem Papier) gefertigt werden. Dann geht es ins Hotel („Conqueror“). Das Zimmer ist riesig und nicht so kalt wie befürchtet (So hatte gemeint, dass es hier noch kälter würde, da Pindaya auf 1200 m liegt. Ich gehe direkt unter die Dusche, überlege noch, ob ich die Haare mit oder ohne Spülung wasche, als ich plötzlich kein Wasser mehr habe. Da es im Badezimmer eiskalt ist, muss ich das Shampoo mit den beiden bereitstehenden Wasserflaschen ausspülen. Nun ja, das passiert hier nun mal. Zum Abendessen laufen wir gemeinsam zu dem Restaurant, wo wir mittags schon waren. Die Bedienung ist eingepackt in Schal und Mütze, inzwischen ist es schon wieder recht kalt  Als wir gegen 21.00 Uhr  wieder am Hotel ankommen, bin ich komplett durchgefroren. Aber die anderen hatten uns bereits erzählt, dass deren Betten ausgestattet sind mit Heizdecken. Und tatsächlich, auch in unseren Betten befinden sich welche!!! Ein herrlicher Luxus. Ich glaube, ich hätte nicht schlafen können, aber nachdem ich das Bett auf Stufe 2 vorgeheizt hatte, schlafe ich in einem angenehm temperierten Bett ein ohne zu frieren.





Samstag, 20. Dezember 2014

Radeln in die Vergangenheit


19.12.2014
Gegen 5.30 Uhr höre ich trotz Ohrenstöpsel draußen irgendeinen Gebetssingsang, der dann bis 7.00 Uhr geht. Und das, wo wir heute mal ein bisschen ausschlafen können! Trotz Daunenjacke ist mir kalt und Manuela meint, ich sähe mit meiner Schlafanzughose, den Badeschlappen und der Daunenjacke schon aus wie eine Einheimische. Tatsächlich fühle ich mich den einfachen Leuten hier gerade sehr nahe!
Das Frühstücksbuffet ist okay, und um 9.00 Uhr sitzen wir schon wieder im Boot (ich mit Daunenjacke!), das uns irgendwo hin bringt, wo wir dann auf Fahrräder umsteigen. Das sind alles ein wenig in die Jahre gekommene Damenräder ohne großen Schnickschnack, aber mit einem breiten gepolsterten Sattel, welcher angesichts der holprigen Straßen und Wege wohl das wichtigste ist. Der erste Halt ist nach ein paar Hundert Metern bei dem örtlichen Markt. Dieser ist recht klein, aber es gibt trotzdem so ziemlich alles, Fleisch, Obst, Gewürze, Getreide und Souveniers. Leider sind die Verkäufer hier sehr penetrant. Nachdem wir uns eine hübsch angemalte Dose angesehen haben, und blöderweise nach dem Preis gefragt haben, rennt der Verkäufer uns über den halben Markt hinterher, obwohl wir ihm hundertmal sagen, dass wir sie nicht haben wollen. Am Ende ist sie halb so teuer, aber wir wollen sie trotzdem immer noch nicht. Andere sind genauso hartnäckig, was nur nervig ist und uns davon abhält, überhaupt noch groß zu schauen. Ich kaufe aber ein schönes Salatbesteck aus Büffelhorn, was ich um die Hälfte runtergehandelt habe.  Dann geht es weiter bis zu einem Waisenhaus, was wir besichtigen. Anschließend radeln wir auf unseren klapprigen Damenrädern durch schöne Landschaft mit üppig grüner Vegetation. Unterwegs sehen wir live, wie hier noch Straßenbau betrieben wird, nämlich komplett per Hand. In Fässern wird von Frauen (!) Bitum erhitzt und dann von einem Jungen (max. 16 Jahren) per Hand (!!!) mit einem Behälter in Bahnen auf die durch eine andere Gruppe dort verteilten kleinen Steine verteilt. Unfassbar! Weiter geht es bis zu einem der beiden Weingüter hier in Myanmar. Dieses wird von einem Franzosen betrieben und man kann dort diverse Weine probieren. Was wir natürlich auch tun. Außerdem sitzen wir mit einem wunderschönen Blick über das Tal und den Inle-See in der Sonne. Die brennt inzwischen schon wieder ziemlich heftig, allerdings geht zwischendurch ein Wind, der einen dann wieder frösteln lässt. Nach der Weinverköstigung (kein Highlight) und dem Mittagessen fahren wir noch in den Ort Nyang Shwe, weil noch ein paar von uns Geld wechseln müssen. Hier herrscht reger Betrieb, auch auf dem Weg dahin und zurück treffen wir ganz viel auf Einheimische, die ihrem Alltag und ihrer Arbeit nachgehen. Das ist super interessant und macht Riesenspaß. Vor allem, weil die Menschen hier so unglaublich freundlich sind! Meist reicht ein freundlicher Augenkontakt oder ein kleines Lächeln unsererseits, aber spätestens wenn wir sie mit „Mingelaba“ (heißt so viel wie „Segen komme über dich“ – also Guten Tag) grüßen, lächeln sie ganz nett und bei einem „Dschaesuba“ (Danke) strahlen die meisten einen an. Das ist einfach schön, weil man sich hier so wohl und willkommen fühlt! Ein Problem bei dieser extremen Freundlichkeit ist die Angst der Menschen vor „Gesichtsverlust“. Deshalb sagen sie meistens und zu allem „ja“, auch, oder besonders wenn sie es gar nicht wissen.  Denn zuzugeben, etwas nicht zu wissen, bedeutet Gesichtsverlust. Hinund wieder habe ich leider auch bei unserem Reiseleiter das Gefühl, dass er nach diesem Prinzip agiert. Für den Rückweg zum Boot  brauchen wir doppelt so lange, weil sich ständig neue Fotomotive ergeben, seien es altertümliche Ochsenkarren, mit denen die Leute hier noch die Felder bestellen und die Ernte einholen oder kleine süße Kinder, die gerade schulfrei haben. Am Bootssteg trennt sich die Gruppe in zwei Teile, die einen (ich auch) fahren zum Hotel, die anderen schauen sich noch die „Langhalsfrauen“ an. Wir genießen den „freien Nachmittag“ (wir sind auch erst um 16.00 Uhr am Hotel) und vor allem die Dusche, die all den Staub des Tages wegspült. Dann sitzen wir noch mit einem Bierchen auf der Veranda und um 19.00 Uhr gibt es wieder Abendessen. Anschließend werden einige traditionelle Tänze aufgeführt, was eigentlich ganz furchtbar ist (für mich), aber doch ganz unterhaltsam. Um 21.00 Uhr sind wir schon wieder im Zimmer und packen uns ein für die Nacht. Wir haben uns noch jeweils eine Wolldecke besorgt, und die Daunenjacke habe ich direkt an…

Freitag, 19. Dezember 2014